Ich wohne … bei dem, der gebeugten Geistes ist
Halte fest Jahrgang 1982 - Seite: 327 - Verfasser: W. G.
In der Bibel wird uns oft erzählt, wie der hohe und erhabene Gott sich so gern mit Menschen beschäftigt, die von andern oft gering geachtet sein mögen, aber zerschlagenen und gebeugten Geistes sind, so dass Er selbst bei ihnen wohnen kann (Jes. 57,15). Gegenüber einem solchen Glück und einer solchen Ehre verblasst jedes Ansehen und jeder Ruhm vor den Menschen.
Aus der grossen Anzahl von Beispielen seien hier nur vier Frauen erwähnt, die Millionen von Bibellesern zur Ermunterung sind oder schon gewesen waren.
Die Witwe in Zarpath (1.Könige 17,7-24)
Zarpath oder Sarepta gehörte zu Phönizien, nicht zu Israel. Aber die Hungersnot, die über den gottlosen Ahab und sein Volk kam, war bis an jenen Ort gedrungen. Als der Bach vertrocknete, an dem Gott seinen Knecht Elia durch Raben hatte verpflegen lassen, sah sich Jehova nach einer Witwe um, der Er gebieten konnte, Elia zu versorgen. In einer Hungersnot, wenn alle Vorräte aufgebraucht sind, auch noch für einen Mann kochen, weil er ein Mann Gottes ist, dazu brauchte es Glauben. Bei den «vielen Witwen in Israel» (Luk. 4,25.26) fehlte offenbar diese Voraussetzung.
Aber ist es nicht ermunternd zu sehen, wie gut Gott diese Witwe in Sarepta kannte? «Jehovas Augen durchlaufen die ganze Erde, um sich mächtig zu erweisen an denen, deren Herz ungeteilt auf ihn gerichtet ist.» Er hatte den Glauben in ihr gewirkt und nun Verbindung mit ihr. Daher liess Er auch Prüfungen des Glaubens über sie kommen, um diesen zu stärken.
Sie ist mit ihrem Sohn dem Hungertod nahe. Als Elia zu ihr kommt, zeigt sich, was in ihrem Herzen lebt. Auf seine Bitte holt sie ein wenig von dem so raren Wasser. Und was tut sie, als er ihr noch zuruft: «Bereite mir zuerst einen kleinen Kuchen … und dir und deinem Sohne bereite danach. Denn so spricht Jehova, der Gott Israels; Das Mehl im Topfe soll nicht ausgehen, und das Öl im Kruge nicht abnehmen»? In gläubigem Vertrauen auf dieses Wort geht sie hin und bereitet zuerst für den Knecht Jehovas einen Kuchen, also eigentlich für Gott, der ihn zu ihr gesandt hat.
Wie wurde Er durch diese Hingabe, durch diesen demütigen Gehorsam geehrt'. Er blieb ihr nichts schuldig. Bis zum Ende der Hungersnot durfte sie erleben, wie Gottes Hand täglich in ihrem Mehltopf und Ölkrug wirksam war. Auch die erschütternden Erlebnisse des Sterbens und der Auferweckung ihres Sohnes waren weitere Mittel, um die Erkenntnis der Grösse des Gottes Israels und der Zuverlässigkeit seines Wortes in ihr zu fördern. Ja, so wurde das bescheidene Heim dieser Witwe der Ort, wo Er sich in jenen Tagen offenbarte!
Das junge Mädchen bei Naaman (2.Könige 5)
Können wir uns in die Lage dieses Mädchens versetzen? Bei einem Kriegszug ihrem Vaterhaus und Land als Gefangene entrissen, war sie nun im Hause des Heerführers der Feinde eine rechtlose Sklavin. Aber ihr Herz war nicht von Bitterkeit und Hass erfüllt, sondern von lebendigem Glauben an den Gott Israels, der sich durch seinen Propheten Elisa durch mächtige Taten bezeugt hatte. Diese junge Gläubige «reichte in ihrem Glauben ... Gottseligkeit und Liebe» dar (2.Petr. 1,5-7). Sie nimmt grossen Anteil an der Not Naamans. Sie sagt zu ihrer Herrin: «Ach, wäre doch mein Herr vor dem Propheten, der zu Samaria wohnt! dann würde er ihn von seinem Aussatz heilen.»
Und Naaman ging tatsächlich mit Ross und Wagen und vielen Schätzen zuerst zum eigenen König, dann zum König Israels und schliesslich zum Propheten Elisa, der ihn nach dem Willen Gottes von seinem Aussatz heilte. Das hatte zur Zeit Elisas sonst kein Aussätziger in Israel erlebt (Luk. 4,27). Naaman wurde sogar ein Anbeter Gottes. Das alles geschah, weil Gott bei diesem jungen Mädchen wohnen konnte und sie Ihm durch Glauben selbst das Unmögliche zutraute. Es gefiel Ihm, durch das Zeugnis ihres Lebens und Wortes diese grosse Sache zu beginnen und nach seinen Gedanken hinauszuführen.
Die Prophetin Anna (Lukas 2,36-38)
Äusserlich war sie nicht zu beneiden, diese Frau. Nur sieben Jahre nach ihrer Mädchenzeit konnte sie mit ihrem Manne leben. Er starb, und wir lesen nicht, dass ihnen Kinder geschenkt worden waren. Sie zählte jetzt 84 Jahre, und hatte nun sicher schon mehr als fünf Jahrzehnte lang ihr Witwenlos ertragen, was auch in jener Zeit mancherlei Not mit sich brachte. Selbst vor den Schriftgelehrten mussten sich diese Frauen hüten, da jene «die Häuser der Witwen zu verschlingen» suchten (Luk. 20,47) und sie nur mit Mühe ihr Recht verteidigen konnten (Luk. 18,1-6).
Doch auch von der Prophetin Anna konnte gesagt werden: «Du bist aber reich.» Sie war nicht einsam. Selbst in ihrem hohen Alter wich sie nicht von dem Tempel - der für sie immer noch das Haus Gottes war - indem sie Ihm Nacht und Tag mit Fasten und Flehen diente, so wie Er es ihr zeigte. So kam es denn, dass auch sie zu «derselben Stunde» anwesend war, als die Eltern das Kindlein Jesus in den Tempel brachten, um es dem Herrn darzustellen und es beschneiden zu lassen (Luk. 2,21-35). Von dem wunderbaren Ereignis der Geburt Jesu erfüllt, das nach den Schriften geschehen war, «lobte sie den Herrn und redete von Ihm zu allen, welche auf Erlösung warteten in Jerusalem» (Vers 38).
Das war wohl der Höhepunkt ihres prophetischen Dienstes. Sie trat nicht öffentlich auf, sondern wusste jeden einzelnen von denen zu finden, die zu der geringen Zahl derer gehörten, die auf Erfüllung der göttlichen Verheissung warteten. Sie brachte ihnen nun diese herrliche Botschaft. - Wie glücklich war diese Frau! nicht nur weil sie Prophetin war - auch Propheten können ihren Ginsterstrauch haben - sondern weil sie in demütiger Gesinnung ihr Herz allezeit offen hielt für die Person des Herrn und sein Wort.
Maria Magdalene (Johannes 20)
Von dieser Frau ist schon oft geredet worden. Es sei hier nur kurz an ihr Verhalten am Tag der Auferstehung Christi erinnert. Sie hatte ja noch nicht so viel geistliches Verständnis wie andere. Doch ist sie einerseits für uns ein leuchtendes Beispiel einer Gläubigen, die sich ihr praktisches Leben ohne die unmittelbare Nähe ihres geliebten Herrn nicht vorstellen kann. Verschiedene Jünger und Frauen waren ja bei der Grablegung zugegen und wollten Ihn nach dem Sabbath salben. Aber Maria Magdalene sticht aus ihnen allen hervor. Die Feststellung, dass ihr Herr nicht mehr im Grab ist, versetzt sie in grösste Unruhe, und sie läuft den weiten Weg hin und her, um auch Petrus und Johannes zu alarmieren. Als diese von dem leeren Grab wieder in die Stadt zurückkehren, bleibt Maria bei der Gruft stehen und weint. Weder die beiden Engel noch ein vermeintlicher «Gärtner» können sie trösten. Wie kann sie ohne den Herrn Jesus leben?
Und Er kommt zu ihr persönlich. Ist das nicht wunderbar? Bei einer Seele, die so nach Ihm verlangt, muss Er einkehren und bei ihr bleiben. So ist es heute noch.
Vier Gläubige, von der Welt gering geachtet, haben sich so verhalten, dass Gott bei ihnen wohnen konnte. Ihr Glaube ehrte Gott; sie machten herrliche Erfahrungen mit Ihm und wurden andern zum Segen.
Wir kennen nun Gott durch Jesum Christum, welcher Derselbe ist, gestern und heute und in Ewigkeit (Hebr. 13,8). Wie bei Zachäus, so kehrt Er auch jetzt so gern bei denen ein, die nach Ihm verlangen, und muss bei ihnen bleiben