Halte Fest
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Gottes Heilmittel für unsere Probleme

Halte fest Jahrgang 2001 - Seite: 8 - Verfasser: J. Redekop

Die zwei Briefe des Apostels Paulus an die Korinther sind «Wüstenbriefe». Die Gläubigen werden darin als solche gesehen, die durch eine göttliche Berufung von dieser Welt beiseite gesetzt und für Gott reserviert worden sind. Die Welt, die für den Glauben eine Wüste geworden ist, bietet nichts, was den Glauben stützen und stärken könnte. Der Christ, der sie durchquert, muss ein Leben der völligen Abhängigkeit und des Gehorsams gegenüber dem Herrn führen. Die tiefe Wurzel von allem Niedergang und Verfall in den Familien und im Zeugnis der Versammlung liegt im Nicht-Verwirklichen dieser Punkte.

Gott erlaubt diese Zeit der Erprobung in der Wüste, damit wir unsere Herzen kennen lernen können. Doch viel wertvoller ist, dass wir in dieser Zeit erfahren, was im Herzen Gottes ist, und das ist Christus. In dem Mass wie wir dies lernen, werden wir von uns wegblicken und in Christus das finden, was allen unseren Bedürfnissen entspricht.

Der Apostel Paulus hatte 18 Monate in Korinth gearbeitet. Der Herr hatte ein grosses Volk in jener Stadt und viele bekehrten sich zu Ihm. Doch während der Abwesenheit des Apostels entwickelte sich die Situation in Korinth nicht zum Guten. Durch die Hausgenossen der Chloe hatte er gehört, dass es Streitigkeiten unter den Gläubigen gab. Sie befanden sich in einem fleischlichen Zustand; und wenn wir für das Fleisch säen, werden wir vom Fleisch Verderben ernten. Dies war offensichtlich der Fall unter ihnen, und der Apostel Paulus schnitt in seinem ersten Brief diese Probleme an.

Ein Jahr später schrieb er den zweiten Brief nach Korinth, nachdem er von der Busse gehört hatte, die der erste in ihnen bewirkt hatte. Nun erfüllte Freude sein Herz, während er umherreiste und Christus verkündigte. Wo immer Christus bekannt gemacht wurde, durch Wort oder Tat, stieg ein Wohlgeruch Christi zu Gott empor. Das ist es, wonach Gott im Leben jedes seiner Kinder Ausschau hält.

Fleischlichkeit - die Wurzel unserer Probleme

«Und ich, Brüder, konnte nicht zu euch reden als zu Geistlichen, sondern als zu Fleischlichen, als zu Unmündigen in Christus. Ich habe euch Milch zu trinken gegeben, nicht Speise; denn ihr vermochtet es noch nicht, aber ihr vermögt es auch jetzt noch nicht, denn ihr seid noch fleischlich. Denn da Neid und Streit unter euch ist, seid ihr nicht fleischlich und wandelt nach Menschenweise?» (1.Kor. 3,1-3).

Mit diesen Versen wünschte der Apostel, dass die Korinther aus ihrem niederen geistlichen Zustand, wie er ihn im ersten Brief an sie beschrieben hatte, herauskamen. Deshalb sagte er: «Ich, Brüder, konnte nicht zu euch reden als zu Geistlichen, sondern als zu Fleischlichen.» Ihr fleischlicher Zustand hatte zu Weltlichkeit und moralischer Laschheit geführt, die im Weiteren die Tür für Unordnung in der Versammlung und lehrmässigen Irrtum öffnete. In diesem Zustand hatten sie wenig geistliches Unterscheidungsvermögen und keine geistliche Kraft, um ihre Probleme zu bewältigen. Begegnen wir heute nicht genau diesen Dingen? Dieser Zustand, der im ersten Brief offen gelegt worden ist, wird im zweiten Brief angesprochen, um uns den Weg Gottes zu zeigen, auf dem wir dem Herrn Jesus Christus moralisch ähnlicher werden und so immer mehr in sein Bild verwandelt werden können. In dem Mass, wie der Geist dies bei uns bewirken und die Wesenszüge Christi in unserem Leben hervorbringen kann, werden unsere Probleme in einer Gott ehrenden Weise gelöst werden. Das eigene Ich wird in all seinen verschiedenen Formen beiseite gesetzt, und dafür wird Christus in all seiner moralischen Schönheit gesehen werden.

Es ist nicht unsere Absicht, nur mit den Schwierigkeiten und Problemen beschäftigt zu sein, sondern Gottes Heilmittel für solche Fälle zu erkennen. Das bedeutet nicht, dass wir versuchen, Problemen auszuweichen oder ihnen zu entfliehen, denn wir alle wissen, dass keiner von uns ihnen davonlaufen kann. Doch wir möchten vielmehr die Vorkehrung Gottes sehen, um jedem Bedürfnis zu begegnen, und diese Vorkehrung ist in Christus.

Veränderung ist möglich

«Wir alle aber, mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauend, werden verwandelt nach demselben Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, als durch den Herrn, den Geist» (2.Kor. 3,18).

Der Apostel Paulus hatte sich selbst in derart belastenden Situationen befunden, wie sie in 2.Korinther 1,8.9 beschrieben sind: «Wir wurden übermässig beschwert, über Vermögen, so dass wir sogar am Leben verzweifelten. Wir selbst aber hatten das Urteil des Todes in uns selbst.» Trotz dieser äusseren Gefahren, wurde Paulus nicht schwach oder entmutigt. Stattdessen sieht er sich in seinem Dienst einsgemacht mit einem siegreichen Christus (2.Kor. 2,14.15). Bei diesem Wandel und bei dieser Verkündigung stieg ein Wohlgeruch Christi zu Gott empor. Paulus, der sich der erste der Sünder nennt, war nun das grösste Gefäss, das Gott hervorgebracht hatte, um die Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi hervorstrahlen zu lassen (2.Kor. 4,6). Nur Gott vermag eine solche Veränderung im Leben eines Menschen zu bewirken.

Jetzt vollbringt Gott das, was Er in Paulus zu Stande brachte, in jedem von uns, der geglaubt hat. Durch seinen Geist schreibt Gott auf unsere Herzen (2.Kor. 3,3). So etwas war dem Gesetz unmöglich. Es war auf steinerne Tafeln geschrieben worden und drückte das aus, was Gott gerechterweise vom Menschen fordert. Es konnte dem Menschen nur sagen, was er tun sollte, was von ihm erwartet wurde. Das Gesetz konnte ihn weder verändern, noch ihm Kraft geben (Röm. 8,3.4).

Ein Christ ist jemand, der neues Leben - Christus selbst - empfangen hat und eine neue Natur, die sich an dem freut, was von Gott ist. Der Heilige Geist, der jetzt im Gläubigen wohnt, beschäftigt das Herz mit Christus, wo Er jetzt ist, in der Gegenwart Gottes. Und indem wir auf die Herrlichkeit des Herrn blicken, wie Er jetzt ist - eine gesegnete Person, die das Herz befriedigt -, findet eine Verwandlung statt, eine moralische Verwandlung in die Gleichheit von Christus, wie Er war.

Das Ich - das grosse Hindernis

«Ein jeder aber prüfe sich selbst, und so esse er von dem Brot und trinke von dem Kelch. Denn wer unwürdig isst und trinkt, isst und trinkt sich selbst Gericht, indem er den Leib nicht unterscheidet. Deshalb sind viele unter euch schwach und krank, und ein gut Teil sind entschlafen. Wenn wir uns aber selbst beurteilten, so würden wir nicht gerichtet. Wenn wir aber gerichtet werden, so werden wir vom Herrn gezüchtigt, damit wir nicht mit der Welt verurteilt werden» (1.Kor. 11,28-32).

Das grösste Hindernis für das Wirken des Geistes in dem Gläubigen ist sein Ich. Dabei spielt es keine Rolle, ob es ein gutes oder ein schlechtes Ich ist. Eigendünkel, Eigenwertschätzung, Selbstdarstellung und Eigenliebe sind im besten Fall Beschäftigung mit dem falschen, dem alten Menschen, mit dem, den Gott beiseite gesetzt und im Tod Christi verurteilt hat. Gott versucht nicht, den Menschen im Fleisch zu verbessern. Er hat an seiner Stelle einen neuen Menschen eingeführt, den Menschen Christus Jesus. Es ist für uns eine harte Lektion zu lernen: «Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden» (2.Kor. 5,17).

Nun wird vielleicht gefragt: Auf welche Weise hilft diese Belehrung, Probleme zu lösen? Zuallererst müssen wir zugeben, «dass in mir, das ist in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt» (Röm. 7,18). Die Natur der Probleme, die uns in unserem persönlichen Leben, in unseren Familien und in den örtlichen Versammlungen so viel Mühe machen, findet ihre Quelle in unserem Fleisch. Wenn wir nicht aus Gottes Wort lernen, dass das Fleisch zu nichts nütze ist, dann lehrt Gott uns dies durch unser eigenes Versagen. Wie traurig, wenn wir es auf diese Weise lernen müssen. Aber noch trauriger ist, dass wir den Heiligen Geist betrübt haben, und dass jedes Versagen und jede Sünde zu jenen unergründlichen Leiden unseres Heilands am Kreuz geführt haben. Und in dem Mass wie ich die Erbärmlichkeit des Fleisches in mir erkenne, wende ich meine Augen des Glaubens von mir selbst weg und richte sie auf Christus, in dem ich einen Gegenstand höchster Freude und Wonne erblicke. Es ist der Eine, in dem Gott ewige Freude und Befriedigung findet.

Auf Christus blicken

«Denn der Gott, der sprach: Aus Finsternis leuchte Licht, ist es, der in unsere Herzen geleuchtet hat zum Lichtglanz der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi. Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefässen, damit die Überfülle der Kraft sei Gottes und nicht aus uns» (2.Kor. 4,6.7).

Wenn ich durch Erfahrung gelernt habe, wie erbärmlich das Fleisch in mir ist, dann darf ich die Belehrung beherzigen, die Gott an vielen Stellen der Heiligen Schrift gibt. Er lehrt uns, von uns weg auf Christus zu blicken. Indem wir dies tun, werden wir die moralischen Wesenszüge des Herrn Jesus annehmen. Einige davon sind Gehorsam und Abhängigkeit von Gott, Geduld, Sanftmut, Selbstbeherrschung und viele andere. Sie werden uns in Galater 5,22.23 als die Frucht des Geistes vorgestellt, die Er im Leben jedes Gläubigen praktisch zur Auswirkung bringen möchte. In 2.Korinther 4,7 erklärt Paulus, dass unsere Körper, die er als «irdene Gefässe» bezeichnet, diesen Schatz - Christus in dem Gläubigen wohnend - enthalten. Wenn das Gefäss zerbrochen wird, dringt das Licht in ihm nach aussen.

In 2.Korinther 5,10 erinnert uns der Apostel Paulus, dass wir vor dem Richterstuhl des Christus zu erscheinen haben. Alles, was wir während unseres Lebens hier getan haben, wird im Licht seiner heiligen Gegenwart offenbart werden. Unsere Beweggründe, unsere Selbstsucht, auch wenn wir sie mit unserem Dienst für den Herrn vermischt haben, wird offenbart werden.

Alles, was im Geheimen oder in der Öffentlichkeit getan wurde, am Arbeitsplatz oder zu Hause, im persönlichen Gespräch oder in der öffentlichen Verkündigung, wird offen gelegt werden. Wie herzerforschend ist dieser Gedanke! Aber denken wir daran, wenn wir vor dem Richterstuhl des Christus stehen werden, wird die sündige Natur nicht mehr länger in uns sein. Wir werden dann mit Christus und Ihm gleich sein. Wie werden wir uns freuen, dass wir dann unsere alte, selbstsüchtige, sündige Natur ein für alle Mal abgelegt haben werden. Nur das, was von Christus ist, wird für immer Bestand haben.

Christus ist wirklich das Heilmittel

«Wir sind aber guten Mutes und möchten lieber ausheimisch von dem Leib und einheimisch bei dem Herrn sein. Deshalb beeifern wir uns auch, ob einheimisch oder ausheimisch, ihm wohlgefällig zu sein. Denn wir müssen alle vor dem Richterstuhl des Christus offenbar werden, damit jeder empfange, was er in dem Leib getan hat, nach dem er gehandelt hat, es sei Gutes oder Böses» (2.Kor. 5,8-10).

Wenn wir wie Paulus unser Leben im Licht «jenes Tages» lebten, welch einen Unterschied würde dies ausmachen! Es ist viel einfacher zu sagen: «Niemand als nur der Herr Jesus bestimme unser Leben», als es auch auszuleben. Es bedeutet in der Praxis, dass Er bestimmt, was ich anziehen soll, wie ich mein Geld ausgebe, wohin ich in die Ferien fahre, wie ich mit meiner Ehefrau spreche und wie ich mich gegenüber meinen Kindern verhalte. Im Weiteren wird es meine Beziehungen in meiner Familie, bei der Berufsarbeit und in der Welt beeinflussen. Doch das Wichtigste ist: Es wird in der örtlichen Versammlung zu einer Atmosphäre führen, die Christus ehrt, ja, es wird die Gesinnung Christi sein.

Wenn wir die Gesinnung des Herrn Jesus haben, sind wir gerüstet, um allen Gefahren zu begegnen. Sie befähigt uns, die richtigen geistlichen Entscheidungen zu treffen. Wir werden dann verstehen, mit wem wir Gemeinschaft haben können und wann Verbindungen unschriftgemäss sind und uns verunreinigen. Wahre Absonderung und ein heiliges Leben werden nur dort gefunden, wo sie in Verbindung mit Herzenszuneigung zum Herrn Jesus und Gehorsam zu seinem Wort stehen. Dann werden wir nicht fragen: Was ist an diesem oder jenem verkehrt?, sondern: Was ist dem Herrn wohlgefällig?

Paulus schliesst diesen Abschnitt mit einem Wort der Ermunterung: «Da wir nun diese Verheissungen haben, Geliebte.» Wenn wir Gott erlauben, dies in unserem Leben zu Stande zu bringen, werden wir einen tiefen Frieden und die Freude der Gemeinschaft mit dem Vater erfahren. Werden dadurch nicht alle Leiden und Sorgen, durch die wir zu gehen haben, der Mühe wert? Der Glaube schaut über die Gegenwart hinaus und beurteilt alles im Licht der Ewigkeit.

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Letzte Änderung am 29.03.2010.