Halte Fest
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Sag ja zu Gottes Wegen!

Halte fest Jahrgang 1997 - Seite: 113 - Verfasser: P. F. Kiene

«Ja, Vater!»

In Matthäus 11 öffnet sich eine erschütternde Szene vor unseren Augen: «Dann fing er an, die Städte zu schelten, in denen seine meisten Wunderwerke geschehen waren, weil sie nicht Busse getan hatten. Wehe dir, Chorazin! Wehe dir, Bethsaida! Denn wenn in Tyrus und Sidon die Wunderwerke geschehen wären, die unter euch geschehen sind, längst hätten sie in Sack und Asche Busse getan. Doch ich sage euch: Tyrus und Sidon wird es erträglicher ergehen am Tag des Gerichts als euch. Und du, Kapernaum, die du bis zum Himmel erhöht worden bist, bis zum Hades wirst du hinabgestossen werden; denn wenn in Sodom die Wunderwerke geschehen wären, die in dir geschehen sind, es wäre geblieben bis auf den heutigen Tag. Doch ich sage euch: Dem Land von Sodom wird es erträglicher ergehen am Tag des Gerichts als dir.

Zu jener Zeit hob Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies vor Weisen und Verständigen verborgen und es Unmündigen offenbart hast. Ja, Vater, denn so war es wohlgefällig vor dir» (V. 20-26).

Wehen Herzens musste der Christus Gottes über die, die Ihm am nächsten standen, über jene Städte am See Tiberias, das Urteil fällen. Sie haben Ihm eine bittere Enttäuschung bereitet. Auf sein Liebesmühen antworteten sie nicht mit freudiger Zustimmung. Sie hatten greifbare Beweise von seiner Herrlichkeit als Messias, als Sohn des Menschen, als des Christus Gottes, erlebt, aber versäumt, Ihm zu huldigen. Sie hatten das grosse Vorrecht, Zeugen seiner herrlichen Majestät zu sein, nicht geschätzt. Ein bitterer Schmerz mochte die Seele des Herrn Jesus durchzogen haben, als Er diesen Fluch aussprechen musste. Versäumte Gnade hat den Fluch zur Folge! Die Gnade ist befristet. Einmal geht sie zu Ende. Wehe denen, die sie versäumen! Diese wundervolle Gnade, die sich herabneigt zu solch Hoffnungslosen, wie wir es alle sind oder waren, um sich ihrer zu erbarmen!

Die Szene ist deshalb besonders eindrucksvoll, weil anschliessend aus dem Mund des Herrn Jesus ein Gebet erfolgt. Von diesen undankbaren, gottlosen, selbstgefälligen, ungerechten Menschen, die seine Liebe trotzig abgelehnt haben, wendet Er sich an seinen Gott und Vater und äussert die seltsamen Worte: «Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies vor Weisen und Verständigen verborgen und es Unmündigen offenbart hast. Ja7 Vater, denn so war es wohlgefällig vor dir.» Hier vernehmen wir nichts von Enttäuschung und Kummer, von Herzeleid, wie wir es gerade wahrgenommen haben. Hier entdecken wir, wie seine Seele in wunderbarer Harmonie mit seinem Vater die Worte spricht: «Ja, Vater!»

Zu was sagte Er ja? Dass Gott dies vor Weisen und Verständigen verborgen hat. Waren die Weisen und die Verständigen nicht auch solche, die begnadigt werden konnten? Natürlich, aber ihr Verstand und ihre menschliche Weisheit standen ihnen im Weg, und so verpassten sie das wundervolle Heil. Sie meinten, gerecht und gut genug zu sein, und darum blieb es ihnen verborgen. Unmündigen wird es offenbart! Die Apostel wurden später in Apostelgeschichte 4,13 ungelehrte und ungebildete Leute genannt. Im griechischen Text steht für ungebildete Leute «idiotai», von dem das Wort «Idiot» abgeleitet wurde. Nach der Meinung der andern waren sie also Unmündige im Sinn dieses Ausspruchs.

Der Herr sagt hier ein Wort, das uns überrascht, wenn Er zum Vater betet: Ja, Vater, ich bin einverstanden. Er rekrutiert seine Leute aus diesen Unmündigen. Nicht aus der Elite der Gesellschaft, sondern aus diesen Unmündigen! Er sagt ja dazu.

In 1.Korinther 1,26-28 wird die Gefolgschaft des Herrn Jesus so beschrieben: «Seht eure Berufung, Brüder, dass es nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Edle sind; sondern das Törichte der Welt hat Gott auserwählt, damit er die Weisen zu Schanden mache; und das Schwache der Welt hat Gott auserwählt, damit er das Starke zu Schanden mache; und das Unedle der Welt und das Verachtete hat Gott auserwählt und das, was nicht ist, damit er das, was ist, zunichte mache.»

Durch sein «Ja, Vater!» erklärt unser Herr Jesus vor seinem Gott und Vater, dass Er mit dieser seltsamen Tatsache einverstanden ist. Damit ist Er uns ein sehr bedeutsames Vorbild. Es ist geradezu klassisch, dass Er, der zweite Mensch vom Himmel, der Ja-Sager, der vornehmste Ja-Sager ist, den die Welt kannte. Der erste Mensch wurde zum Nein-Sager. Seine Handlungsweise im Paradies war ein Nein zu Gottes Liebeswillen. Er öffnete sein Ohr und Herz dem Lügner von Anfang. Von dorther wurde Er infiltriert und versucht. Seither ist die Menschheit auf dem Kurs des Nein-Sagens zu Gott. Die ganze Welt ist in Rebellion, im Nein-Sagen zum Liebeswerben Gottes, zum Willen Gottes. Auf diese Weise rast sie dem ewigen Verderben zu. Das Nein-Sagen ist ihr Verhängnis. Das Ja-Sagen wäre ihre Rettung.

Zu welchen zählst du? Zu den Nein-Sagern oder zu den Ja-Sagern? Die Wendung kommt erst dann für die Nein-Sager, wenn sie sich besinnen und der Botschaft Gottes ihr Herz öffnen. Aber dabei gibt es einiges zu verkraften.

«Ja, Herr!»

In Matthäus 15 siehst du einen Menschen, der unter sehr bitteren Umständen das Ja-Sagen lernte.

«Und Jesus ging aus von dort und zog sich zurück in das Gebiet von Tyrus und Sidon; und siehe, eine kananäische Frau, die aus jenem Gebiet hergekommen war, schrie und sprach: Erbarme dich meiner, Herr, Sohn Davids! Meine Tochter ist schlimm besessen. Er aber antwortete ihr nicht ein Wort. Und seine Jünger traten herzu und baten ihn und sprachen: Entlass sie, denn sie schreit hinter uns her. Er aber antwortete und sprach: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt. Sie aber kam und warf sich vor ihm nieder und sprach: Herr, hilf mir! Er aber antwortete und sprach: Es ist nicht schön, das Brot der Kinder zu nehmen und den Hunden hinzuwerfen. Sie aber sprach: Ja, Herr; und doch fressen die Hunde von den Brotkrumen, die von dem Tisch ihrer Herren fallen. Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: O Frau, dein Glaube ist gross; dir geschehe, wie du willst» (V. 21-28).

Da haben wir es. Aber es gab für diese Frau allerhand zu verkraften. Was sie tat, begreifen wir. Sie schreit hinter Ihm her: «Erbarme dich meiner, Herr, Sohn Davids!» Doch darauf bekommt sie keine Antwort. Warum nicht? War das Herz des Herrn Jesus so erbarmungslos? Dass Er keine Antwort gab, ist aussergewöhnlich. Es gibt nur wenige Stellen in der Schrift, wo Er schweigt und der Fragende ohne Antwort bleibt.

Dem Hilfesuchenden hat Er doch sonst geantwortet. Warum hier nicht? Sie ruft Ihn mit dem Titel «Sohn Davids» an. Durfte sie das nicht? Nein, sie hatte keinen Anspruch an Ihn als Sohn Davids. Sie war eine Heidin. Eine Jüdin hätte so sprechen und an Christus, der als der ihnen verheissene Messias gekommen war, appellieren dürfen. Die Heiden nicht. Deshalb reagierte Er auf die Anrede «Sohn Davids» nicht. Sie musste das lernen. Doch sie schreit weiter. Die Jünger werden ungeduldig. Sie fordern den Herrn heraus, so dass Er antworten muss: «Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.» Das war die primäre Aufgabe, wozu Er berufen war. Er war gekommen, um das zerstreute Israel zu sammeln und es zu seinem Gott zurückzuführen. Das musste die Frau mit eigenen Ohren hören.

Nun kam sie und warf sich vor Ihm nieder und sprach: «Herr, hilf mir!» Jetzt spricht sie nicht mehr vom Sohn Davids. Und da erfährt sie eine neue, seltsame Antwort: «Es ist nicht schön, das Brot der Kinder zu nehmen und den Hunden hinzuwerfen.» Das Wort «Hunde» ist hier ein ganz verächtlicher Ausdruck. Aus dem Mund des Herrn hört sie solche Worte! Greift es uns nicht ans Herz, dass Er mit Menschen so umgeht und sie «Hunde» nennt? Vergessen wir nicht, dass die Hunde, die damals in jenen Gegenden herumliefen, mit den gepflegten Haustieren, wie man sie bei uns kennt, nicht zu vergleichen sind. Im Orient sind die Hunde gefährlich. Das sind die Tiere, die auf der Strasse die Abfallhaufen durchwühlen, sich jaulend um die Beute streiten, ihre Schnauze in jedes schmutzige Loch stecken und deren Biss gefährlich ist, weil sie eben unrein sind. «Hunde» war damals der Inbegriff des Unreinen.

«Es ist nicht schön, das Brot der Kinder» - damit meinte Er Israel - «zu nehmen und den Hunden hinzuwerfen.» Das war ein bitteres Wort: so als unrein klassiert zu werden! Das hat Er auch zu mir sagen müssen: unrein. Das muss Er zu jedem sagen. Die Frage ist, was du dazu sagst, wenn Er dich zu den Unreinen zählt. Ich sage: Das muss verkraftet werden. Zum mindesten braucht es den Mut zur Wahrheit. Und daran scheitern viele. Im Himmel gibt es nur mutige Leute; in der Hölle sind die Feiglinge. Wer den Mut hat, dem Urteil Gottes nicht auszuweichen und «ja» zu sagen, dem wird geholfen. Der Frau wurde geholfen. Sie wurde nicht zornrot und empört über diese Aussage. Im Gegenteil, sie sagte: «Ja, Herr!» Sie unterschrieb das göttliche Urteil. Und wenn du den Mut hast, das göttliche Urteil zu unterschreiben, dann kann dir geholfen werden.

«Ja wahrlich»

Wer den Mut einmal aufgebracht hat, mit einem «Ja, Herr!» das göttliche Urteil zu unterschreiben, gehört hoffentlich weiterhin zu den Ja-Sagern. Ich denke an einen Abschnitt aus dem Philipperbrief. Er zeigt uns einen denkbar grossen Kontrast zu dieser Kananäerin, die das schreckliche Urteil «Hunde» entgegennahm und dazu «ja» zu sagen wagte. In Philipper 3,4-6 leuchtet Paulus in seine Vergangenheit zurück, wenn er sagt:

«Obwohl ich auch auf Fleisch Vertrauen habe. Wenn irgendein anderer meint, auf Fleisch zu vertrauen - ich noch mehr.» Was meint er damit? Er meint damit sein Leben, bevor er Christus kannte. Sein Dasein beschreibt er hier mit dem Ausdruck «im Fleisch», d.h. als natürlicher Mensch. Und nun zählt er alle Pluspunkte auf, die ein Israelit je haben konnte, nämlich: «1. beschnitten am achten Tag, 2. vom Geschlecht Israel, 3. vom Stamm Benjamin, 4. Hebräer von Hebräern; 5. was das Gesetz betrifft, ein Pharisäer; 6. was den Eifer betrifft, ein Verfolger der Versammlung; 7. was die Gerechtigkeit betrifft, die im Gesetz ist, für untadelig befunden.»

Siehst du den Kontrast zwischen der Kananäerin und diesem vortrefflichen Pharisäer, der seine ganze Abstammung und seine Verhaltensweise vor uns hinstellt? Er sagt: Wenn einer sich im irdischen Dasein auf etwas Positives berufen kann, dann bin ich einer von diesen. Und was sagt er weiter?

«Aber was irgend mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Verlust geachtet; ja wahrlich, ich achte auch alles für Verlust wegen der Vortrefflichkeit der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, um dessentwillen ich alles eingebüsst habe und es für Dreck achte, damit ich Christus gewinne» (Phil. 3,7.8).

Da hat ein Wechsel stattgefunden. Dieser Mensch hat sich im Licht Gottes gesehen. Er hat seine Vergangenheit, die nach menschlichem Ermessen eine tadellose war, so eingestuft, wie Gott sie einstuft: Dreck! Diese sieben Pluspunkte galten nun nichts mehr. Ja, auch solche Leute benötigen Mut zur Wahrheit. Gott lässt es ihnen sagen: Es gibt keinen Gerechten, auch nicht einen (Röm. 3,10). Und weil keiner vor Gott gerecht ist, sagt auch dieser Mann: «Ja wahrlich.»

Wir lernen: Die schmutzigsten wie die edelsten Sünder sind gleichermassen hoffnungslos dran. Beide müssen das Ja-Sagen lernen, um gerettet zu werden. Das Ja zu dem Gekreuzigten und Auferstandenen wendet alles. Paulus hat uns sein Erlebnis hier mitgeteilt und erzählt, wie bei ihm die Wandlung kam.

«Ja, darüber freue ich mich»

Das Ja-Sagen ist das Geheimnis, um gerettet zu werden; es ist aber auch das Geheimnis, um als Gerettete ein Leben des Sieges und des Friedens zu haben. Hier ein Beispiel. Im Philipperbrief spricht Paulus noch ein Ja, und zwar als Geretteter. Dieser Ausgezeichnete unter den Aposteln, dieses besondere Gefäss der Gnade Gottes, sagt uns folgendes:

«Einige zwar predigen den Christus auch aus Neid und Streit, einige aber auch aus gutem Willen; diese aus Liebe, da sie wissen, dass ich zur Verteidigung des Evangeliums gesetzt bin; jene verkündigen den Christus aus Streitsucht, nicht lauter, wobei sie meinen Fesseln Trübsal zu erwecken gedenken. Was denn? Wird doch auf alle Weise, sei es aus Vorwand oder in Wahrheit, Christus verkündigt, und darüber freue ich mich, ja, ich werde mich auch freuen» (Phil. 1,15-18).

Das ist ein neues Ja, das dieser gerettete Mensch aussprach. Ich muss gestehen, von ihm habe ich zu lernen. Er sagte nämlich ein Ja zur Tatsache, dass ungute Elemente in der Christenheit das Evangelium weitertrugen; Leute, die ihm, was ihre Persönlichkeit betraf, Kummer machten. Aber weil sie die Botschaft ausrichteten, freute er sich. Er hat zwischen Personen und dem Wirken Gottes durch die Botschaft unterschieden. Er konnte deshalb ein entschiedenes Ja sagen. Hier können wir lernen. Wir sind leicht geneigt, Verkündiger in der Christenheit mit gemischten Gefühlen zu betrachten, weil ihr Leben und ihr Verhalten dem Wort Gottes nicht entspricht. Aber wir dürfen dabei nicht vergessen: Wenn sie das klare Evangelium verkündigen, so wollen wir uns dennoch freuen. Paulus tat es. Der Personen wegen hatte er Kümmernisse. Aber der Botschaft wegen wurde er froh. Und dieses weite Herz möchte ich von Paulus haben.

Versteht mich gut: Das weite Herz freut sich über die Botschaft; es freut sich, dass die Botschaft weitergetragen wird. Der Kanal, durch den die Botschaft fliesst, das ist eine Sache für sich. Dieser kann mir zweifelhaft erscheinen und ist es leider in vielen Fällen. Aber das könnte dazu führen, dass mein Herz sich vom Ganzen abwendet und überhaupt nicht oder ganz negativ reagiert. Nein, ich habe zu lernen, dass wir uns freuen wollen, wo immer die Botschaft verkündigt wird. Mit den Botschaftern wird Gott zurechtkommen. Das ist nicht meine Sache. Ich möchte aber mein Herz nicht verengen lassen, sondern mich mitfreuen, wo immer die Botschaft laut wird. Dass ich mit diesen Botschaftern keine Gemeinschaft haben kann, ist traurig und bereitet mir Kummer und Herzeleid.

Seht ihr den Unterschied? Dieses Ja löst die Verkrampfungen, in die man geneigt ist zu geraten. Die Weite des Herzens wird auf dem schmalen Pfad bewahrt. Mit einem weiten Herzen den schmalen Pfad zu gehen, das ist der Wille des Herrn für uns. Hast du dazu ein Ja? Paulus sagte: «Ja, ich werde mich auch freuen.»

«Ja, Herr, ich glaube»

In Johannes 11 stehen wir am Grab des Lazarus. Das Herzeleid der Trennung durch den Tod ist im Haus der Freunde in Bethanien eingekehrt. Lazarus ist begraben. Und nun hören wir ein Zwiegespräch. Als unser Herr Jesus dorthin kommt, spricht Martha zu Ihm:

«Ich weiss, dass er auferstehen wird in der Auferstehung am letzten Tage. Jesus sprach zu ihr:

Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt; und jeder, der da lebt und an mich glaubt, wird nicht sterben in Ewigkeit. glaubst du dies? Sie spricht zu ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll» (Joh. 11,24-27).

In dieser schmerzvollen Stunde kann sie ein Ja zu Dem sagen, der dem Tod die Macht genommen und durch das Evangelium Leben und Unverweslichkeit ans Licht gebracht hat. Vorher hiess es: «Wenn du hier gewesen wärest, so wäre mein Bruder nicht gestorben.» Das tönt wie ein Vorwurf. Doch wer wagte es, Ihm einen Vorwurf zu machen? Wir haben Verständnis für das tiefe Leid dieser gläubigen Frau. Aber der Herr begegnet ihr in seiner Gnade, und sie findet ein Ja. Ein Ja zu Dem, der von sich sagt: «Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.» So konnte nur der Fürst des Lebens sprechen. Ja, unvergleichlich sind die Worte Dessen, der den Tod überwunden hat. Das sind Worte, die an den Gräbern der Gläubigen laut werden dürfen, und dazu sagen die Erlösten ein glaubensvolles Ja. Du auch? Nur das kann Ihn ehren.

«Ja, Herr, du weisst»

Auch Petrus hat das Ja-Sagen gelernt. In Johannes 21 hatte er eine Begegnung mit dem Auferstandenen. Dieser fragte ihn: «Simon, Sohn Jonas, liebst du mich mehr als diese?» Petrus wagte nicht zu sagen: «Ich liebe dich.» Er schwächte seine Aussage ab und sagte: «Ich habe dich lieb.» Im griechischen Urtext wird der Unterschied klar ersichtlich (agapao = lieben; phileo = Freundschaft haben, freundlich sein, lieb haben). Als der Herr fragte: «Liebst du mich?», wagte Petrus dieses Wort nicht nachzusprechen. Aber er sagte: «Ja, Herr, du weisst, dass ich dich lieb habe.» So sprach er vor allen Jüngern, vor denen er zur Rede gestellt wurde. Wie schön, wenn unser Herr Jesus dies auch aus deinem Mund hören darf: «Ja, Herr, du weisst, dass ich dich lieb habe.» Allen anderen gilt das ernste Wort aus 1.Korinther 16,22: «Wenn jemand den Herrn Jesus Christus nicht lieb hat, der sei verflucht.» Eine feierlich ernste Sache! Liebst du Ihn?

Das ist ja das Wunder, dass Menschen, die zu ihrer Schuld «ja» sagten, dann auch sagen können: «Ja, Herr, du weisst, dass ich dich lieb habe.» Erfreust du Ihn mit solcher Sprache aus deinem Mund und Herzen? Willst du es Ihm nicht sagen? Wird es sein Herz nicht beglücken, wenn Er solches aus deinem Herzen vernimmt: «Ja, du weisst, dass ich dich lieb habe.»? Es steht Ihm tatsächlich von uns zu. Er darf erwarten, dass wir es Ihm sagen. Das ist ein Erkennungszeichen dieser Menschen. Frage jemand, ob er den Herrn Jesus liebt, und du weisst, ob er errettet ist.

«Ja, das ist mein Leiden»

Das Ja-Sagen hört nicht auf. Es zeigt sich auch im Leben des Propheten Jeremia (Kap. 10). Aber das Ja-Sagen zu Gottes Wegen will gelernt sein. Manche Kinder Gottes sind bitter geworden, weil sie das Ja zu Gottes Fügung und Führung nicht fanden. Sie sagten ein leises und unhörbares Nein zu ihrem Leben. Wie denn? Zum Beispiel: So wie ich gestaltet bin, gefalle ich mir nicht. Ein stilles Nein! So wie ich begabt bin, ach nein; andere sind begabter als ich. So wie meine Familienverhältnisse stehen - nein! So wie meine Berufsverhältnisse sind - nein! Man sagt es nicht laut, aber man lebt es, dieses Nein. Besteht nicht die Gefahr, dass wir als Kinder Gottes zu den Umständen und Lebensverhältnissen, zur Begabung und Beachtung «nein» sagen? Nicht selten gibt es Kinder, die zu ihren Eltern innerlich «nein» sagen. Sie passen ihnen nicht; sie hätten gern andere Eltern.

Was ist denn dieses innere Nein-Sagen eigentlich? Wer innerlich «nein» zu Gott sagt, klagt Ihn an. Eine gefährliche Sache, die das Herz zermürbt! Das ist wie Rost, der das Eisen frisst.

Nun kann ein Gotteskind nicht nur zu Gott «nein» sagen, sondern auch zu gewissen Glaubensgeschwistern, die ihm nicht sympathisch sind. Nicht selten ist da ein inneres Nein vorhanden. Wenn wir ehrlich sind, werden wir auch bei uns solche Ansätze entdecken. Da hat es mir einmal geholfen, als ich wahrnahm, dass alle Gotteskinder Edelsteine auf des Heilands Brust sind. Er trägt sie als Hoherpriester auf dem Brustschild. Nun kann ich den unsympathischsten Gläubigen ansehen und dabei denken: Du bist auch ein Edelstein für Jesus. Und schon kann ich ihn lieben. Versuch mein Rezept doch auch einmal! Ich probiere es immer wieder neu aus, und es funktioniert. Ein Edelstein, der für Ihn glänzt! Versuch's, und du wirst die Erlösten wahrscheinlich mit weniger Mühe lieb haben können.

Das Nein-Sagen ist gefährlich. Ich erinnere mich noch, dass ich als junger Christ vor vielen Jahren einst «nein» sagte, als in einer Versammlung ein Ausschluss stattfinden musste. Es ist eine sehr bittere Sache, wenn ein Kind Gottes wegen seinen Sünden vom Tisch des Herrn entfernt werden muss. Und da sagten einige einsichtige Brüder, dass wir eine Kollektivschuld hätten. Es gehe nicht nur um die Schuld des Ausgeschlossenen. Die Gesamtheit sollte ihre Schuld fühlen, sollte sich mit dem Schuldigen solidarisch erklären, sollte sich vor Gott beugen, dass nicht mehr Gnade in ihren Reihen geherrscht hatte, um die Sünde zu verhindern.

Ich weiss noch genau, dass ich «nein» sagte. Ich sagte innerlich: Nein, ich habe es ja nicht getan. Das war natürlich das Zeichen geistlicher Unreife. Aber ich bekenne es: Ich sagte innerlich «nein». Muss man da «ja» sagen? Jawohl, so schnell wie möglich! Wenn es im Leben eines Gotteskindes so weit kommt, dann ist dies zugleich eine Kollektivschuld. Das werden geistlich gesinnte Mitgläubige tief empfinden, sich deshalb vor Gott beugen und die Schuld zu ihrer eigenen Schuld machen.

Jeremia 10,17-19: «Raffe dein Gepäck zusammen aus dem Land, du Bewohnerin der Festung! Denn so spricht der Herr: Siehe, ich werde diesmal die Bewohner des Landes hinwegschleudern und sie ängstigen, damit die Feinde sie finden.» Das Gericht über das irdische Volk war angekündigt, und Jeremia war der Botschafter Gottes. Er hat die Botschaft unverkürzt weitergegeben. Dann folgt ein Gedankenstrich.» - Wehe mir ob meiner Wunde. Schmerzlich ist mein Schlag. Doch ich spreche: Ja, das ist mein Leiden, und ich will es tragen.»

Der Prophet macht sich eins mit seinem Volk. Das Verschulden seiner Landsleute und ihr Los geht ihm ans Herz. Er distanziert sich nicht pharisäisch von ihnen und sagt: Das habt ihr verdient, ihr heuchlerisches Pack! Nein, er leidet - ich möchte sagen: mit Gottes Herzen. Das war die geistliche Haltung dieses leidgeprüften Propheten. Er machte sich eins mit dem Schicksal seines Volkes. Jeremia wird ja «der weinende Prophet» genannt. 40 Jahre hat er ohne sichtbare Ergebnisse gearbeitet. Nach 40jährigem Prophetendienst war das Resultat gleich Null, wenn man so sagen darf. Trotzdem hat er sich, was die Verantwortung betrifft, nicht von diesem Volk distanziert; obwohl er dessen Gottlosigkeit nicht mitmachte. Er hat dieses Ja gesprochen. Vielleicht gibt es nun solche, die sagen: Das hätte ich wohl so nicht gesagt. Aber er fühlte und litt mit dem Herzen Gottes. Das ist es. Fremde Schuld machte er zu seiner eigenen. Kannst du das auch? Es ist leicht, auf jemanden zu zeigen: Der hat es getan! Aber vergessen wir nicht: Wenn ich einen Finger ausstrecke, um auf den Schuldigen zu zeigen, dann zeigen drei Finger auf mich!

Das Urteil musste zwar ausgesprochen werden, aber der Schmerz, dieser Kummer, dieses Sich-Einsmachen, das ist Gott wohlgefällig. Paulus musste einst den Korinthern sagen, als er eine Schandtat in ihrer Mitte aufdeckte: «Ihr seid aufgebläht und habt nicht vielmehr Leid getragen» (1.Kor. 5,2). Um dieses Leidtragen ging es bei Jeremia, und er sagte «ja» dazu. Das ist geistliche Reife. Geistliche Babys können das noch nicht. Wir wollen es auch nicht von ihnen erwarten. Aber von denen, die schon herangewachsen sind, können wir diese Haltung erwarten, wenn Gott an seinem Volk Zucht üben muss.

«Ja, mag er fluchen»

Eine andere bittere Geschichte: David ist auf der Flucht. Und was erlebt er?

«Und als der König David nach Bachurim kam, siehe, da kam von dannen heraus ein Mann vom Geschlecht des Hauses Sauls, sein Name war Simei, der Sohn Geras. Er kam unter Fluchen heraus und warf mit Steinen nach David und nach allen Knechten des Königs David; und alles Volk und alle Helden waren zu seiner Rechten und zu seiner Linken. Und Simei sprach also, indem er fluchte: Hinweg, hinweg, du Mann des Blutes und Mann Belials! Der Herr hat alles Blut des Hauses Sauls, an dessen Statt du König geworden bist, auf dich zurückgebracht, und der Herr hat das Königtum in die Hand deines Sohnes Absalom gegeben; und siehe, nun bist du in deinem Unglück, denn ein Mann des Blutes bist du!

Und Abisai, der Sohn der Zeruja, sprach zu dem König: Warum soll dieser tote Hund meinem Herrn, dem König, fluchen? Lass mich doch hinübergehen und ihm den Kopf wegnehmen!

Aber der König sprach: Was haben wir miteinander zu schaffen, ihr Söhne der Zeruja? Ja, mag er fluchen! Denn wenn der Herr ihm gesagt hat: Fluche David!, wer darf dann sagen: Warum tust du also?

Und David sprach zu Abisai und zu allen seinen Knechten: Siehe, mein Sohn, der aus meinem Leib hervorgegangen ist, trachtet mir nach dem Leben; wie viel mehr nun dieser Benjaminiter! Lasst ihn, dass er fluche; denn der Herr hat es ihn geheissen» (2.Sam. 16,5-11).

Eine erschütternde Phase im Leben dieses Königs! Er trägt die Folgen seiner Sünden. Die Last ist schwer; aber eines ist gewiss: Er hat die Vergebung. Als der Prophet Nathan einst zu ihm kam und ihn von seiner Sünde überführte, da sagte er: «Ich habe gesündigt!» Ohne jede Widerrede bekannte er sich zu seiner entsetzlichen Vergehung und Schuld. Da blieb die Vergebung - unwiderruflich von Gott durch Nathan bestätigt - der Trost seines Gewissens und seiner Seele.

Aber die Folgen seiner Übertretungen kamen nach Jahren. So sind die Regierungswege Gottes, womit Er seine Kinder erzieht. «Wenn ihr aber ohne Züchtigung (Erziehung) seid, deren alle teilhaftig geworden sind, so seid ihr denn Bastarde und nicht Söhne», sagt uns das Neue Testament (Hebr. 12,8).

Doch die Vergebung folgt unmittelbar auf das Bekenntnis. «Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit» (1.Joh. 1,9). David hatte sich Schlimmes zuschulden kommen lassen, wir wissen es; und plötzlich war ihm altes vergeben worden. Dann konnte er aufatmen und vor seinem Gott anbeten.

Aber die Folgen seiner Sünden blieben. Und es waren nicht nur die Folgen der Sünde gegen Urija und seine Frau, es waren auch Folgen seiner ungeistlichen Verbindungen. Was hatte David, der König von Juda, beim König Talmai von Gesur eine Frau zu suchen? Maaka, die Tochter dieses gottlosen Königs, wurde die Frau Davids, und die Folgen blieben nicht aus. Tamar und Absalom, die beiden Kinder Maakas, brachten ihm Kummer. Eine solche Verbindung trug ihre Früchte. Sowohl Tamar als auch Absalom wurden ein Herzeleid für den Vater; Tamar ungewollt, Absalom gewollt.

Hier ist David auf der Flucht vor seinem eigenen Sohn und erlebt dabei Schmähungen und Demütigungen bis aufs Äusserste. Hier flucht Simei. Nun lässt uns Gott wissen, wie es im Herzen dieses Königs aussah. Simei hat nicht auf Gottes Geheiss geflucht; aber gebeugt unter das, was Gott zuliess, sagt David: «Wenn der Herr ihn geheissen hat ...» So ist er mit Gottes Führung und Fügung innerlich eins geworden. «Ja, mag er fluchen», war seine demütige Haltung. Ein klares Ja, keine Rebellion, kein Selbstmitleid.

Was sagt uns dies alles? Dass wir uns unter Gottes erziehende Hand beugen dürfen. Dann wird das Herz still. Dann kommt Er zum Ziel. Sind wir Ja-Sager geworden? Seit der Bekehrung dürfen wir es sein. Ich habe doch in das Urteil Gottes eingewilligt: Ja! Sünde und Schande - Ja! Selbstgerechtigkeit, Einbildung - Ja! Alles Schuld vor Gott. Damals haben wir Vergebung erlangt. Da sind wir mit dem lebendigen Gott ins reine gekommen. Aber wenn es gut werden soll, hört das Ja-Sagen nicht auf. Dann erreicht Er sein Ziel.

Sag «ja» zu Gottes Erziehungswegen!

«Ihr ... habt die Ermahnung vergessen, die zu euch als zu Söhnen spricht: Mein Sohn, achte nicht gering des Herrn Züchtigung, noch ermatte, wenn du von ihm gestraft wirst» (Hebr. 12,4.5). Vor zwei Reaktionen werden wir gewarnt. Geringachten heisst, sich nichts daraus machen; und ermatten bedeutet, darunter zusammenbrechen oder verzagen. Weder das eine noch das andere soll bei uns vorkommen, hingegen ein klares Ja zu den Erziehungswegen Gottes.

«Denn wen der Herr liebt, den züchtigt er; er geisselt aber jeden Sohn, den er aufnimmt. Was ihr erduldet, ist zur Züchtigung: Gott handelt mit euch als mit Söhnen; denn wer ist ein Sohn, den der Vater nicht züchtigt? Wenn ihr aber ohne Züchtigung seid, deren alle teilhaftig geworden sind, so seid ihr denn Bastarde und nicht Söhne. Zudem hatten wir auch unsere Väter nach dem Fleisch als Züchtiger und scheuten sie; sollen wir nicht vielmehr dem Vater der Geister unterwürfig sein und leben? Denn jene zwar züchtigten uns für wenige Tage nach ihrem Gutdünken, er aber zum Nutzen, damit wir seiner Heiligkeit teilhaftig werden. Alle Züchtigung aber scheint für die Gegenwart nicht ein Gegenstand der Freude, sondern der Traurigkeit zu sein; danach aber gibt sie die friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die durch sie geübt worden sind.

Darum richtet auf die erschlafften Hände und die gelähmten Knie, und macht gerade Bahn für eure Füsse, damit nicht das Lahme vom Weg abkomme, sondern vielmehr geheilt werde. Jagt dem Frieden nach mit allen und der Heiligkeit, ohne die niemand den Herrn schauen wird; und achtet darauf, dass nicht jemand an der Gnade Gottes Mangel leide» (Hebr. 12,6-15).

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Letzte Änderung am 26.09.2010.