Halte Fest
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Durch das Tränental gehend...

Halte fest Jahrgang 1981 - Seite: 141 - Verfasser: W. G.

Die Gläubigen unter den Menschen, die inmitten einer Welt der Gottlosigkeit auf Gott vertrauen, seinem Wort glauben, mit Ihm wandeln, Ihm gehorchen und Ihm dienen, sind vielerlei Züchtigungen, Prüfungen, Versuchungen und Drangsalen ausgesetzt.

Asaph fragte (Psalm 73): Warum ist das so? Die Gesetzlosen verbringen ihre Tage in Wohlfahrt und sind nicht im Ungemach der Sterblichen; ich aber werde geplagt den ganzen Tag, und alle Morgen ist meine Züchtigung da. Sollte es nicht umgekehrt sein?

Der reiche Mann (Luk. 16), der nie Busse tat und nicht daran dachte, dass er «dem Ort der Qual» entgegenging, lebte alle Tage fröhlich und in Prunk. Er empfing Gutes in diesem Leben. Der arme Lazarus dagegen, der nach seinem Tode, um seines Glaubens willen, in Abrahams Schoss in die Herrlichkeit des Himmels getragen wurde, sozusagen mit allen Ehren, empfing in diesem Leben «gleicherweise das Böse»: Sein Leib war voller Geschwüre; er begehrte sich von den Brosamen zu sättigen, die von des Reichen Tische fielen. Nur die Hunde schienen sich hier um ihn zu kümmern. - Haben wir Mühe, dies zu verstehen?

Auch die Krankheit des frommen Königs Hiskia scheint unbegreiflich. Gott stellt ihm doch ein sehr gutes Zeugnis aus: «Er vertraute auf Jehova, den Gott Israels; und nach ihm ist seinesgleichen nicht gewesen unter allen Königen von Juda, noch unter denen, die vor ihm waren. Und er hing Jehova an, er wich nicht von ihm ab; und er beobachtete seine Gebote ... Und Jehova war mit ihm» (2.Kön. 18,5-7). Und dennoch, er wurde krank zum Sterben, im Alter von kaum vierzig Jahren. Hiskia konnte das nicht begreifen. Er betete: «Ach, Jehova! gedenke doch, dass ich in Wahrheit und mit ungeteiltem Herzen vor deinem Angesicht gewandelt, und getan habe, was gut ist in deinen Augen! Und Hiskia weinte sehr» (Kap. 20,2.3).

Ja, solche Fragen mögen auch heute die Kinder Gottes bewegen, wenn sie in grossen Prüfungen sind oder andere Gläubige leiden sehen. Gottes Wort gibt uns schon jetzt Auskunft darüber, aus welchen Gründen Er die Seinen solche Wege führt. Und wenn wir einst vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden, dann erkennen wir deutlich, dass es Gottes Weisheit, Liebe und Gnade waren, die uns durch all diese Trübsale hindurch zum Ziel bringen mussten: Er hat sich nie geirrt. Er hat alles wohl gemacht?

Es mag nützlich sein, an einige der Beweggründe zu erinnern, die Gott veranlassen können, den Seinen in diesem Leben Schweres aufzuerlegen.

«Alle aber auch, die gottselig leben wollen in Christo Jesu, werden verfolgt werden» (2.Tim. 3,12).

Kaum ist die Sünde in die Welt gekommen, die zu allen Menschen durchgedrungen ist, standen sich auf der Erde durch alle Jahrhunderte hindurch zwei Reiche gegenüber: das Reich der Finsternis, regiert von Satan, und das Reich des Lichts, zu dem alle die gehören, die durch Busse und Glauben mit Gott verbunden sind - im Christentum durch Jesus Christus. Der Hass des natürlichen Menschen gegen Gott richtet sich auch gegen die, welche Ihm anhangen und sich unter die Herrschaft Jesu Christi stellen. Das ist nicht zu umgehen. Je deutlicher das Zeugnis der «Gottseligen» in dieser Welt ist, je heller ihr Licht leuchtet, desto stärker kann die Verfolgung von Seiten derer werden, die eine fleischliche Religion haben oder im Atheismus den Sinn des Lebens suchen.

Die Schrift berichtet von vielen solchen Verfolgungen. Es seien hier nur ein paar erwähnt: Kain erschlug Abel beim Opfern, weil Gott auf dessen Opfergabe blickte. - Die drei Freunde Daniels kamen in den Feuerofen, weil sie das goldene Bild Nebukadnezars nicht anbeten wollten. - Die Gläubigen aus den Juden, an die sich der Hebräerbrief richtete, wurden von den andern Juden, die Christus verwarfen, heftig verfolgt. Petrus schreibt solchen bedrängten Gläubigen, dass das Feuer der Verfolgung, in dem sie standen «nichts Fremdes» sei (1.Petr. 4,12.13). Sie waren dadurch der Leiden des Christus teilhaftig, die Er, der treue Zeuge, in seinem ganzen Leben hienieden erdulden musste: Er erfuhr den täglichen Widerspruch der Sünder, die Ihn umbringen wollten. (Diese Leiden sind von seinen Sühnungsleiden am Kreuz zu unterscheiden).

Gott vermag solche Verfolgungen einzudämmen. Er liess nur zu, dass zehn Tage der Drangsal über Smyrna kamen (Offb. 2,10), zehn Verfolgungswellen unter den römischen Kaisern. Darum werden wir in 1.Timotheus 2,1-4 ermahnt, für die Regierungen Fürbitte zu tun, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen mögen, in aller Gottseligkeit und würdigem Ernst, indem wir mit Hingabe Gott leben und dienen. «Der Herr weiss die Gottseligen aus der Versuchung zu retten» (2.Petr. 2,9). Bei Stephanus tat Er es, indem Er durch den Heiligen Geist seine Seele so mit Gottes Herrlichkeit erfüllte, dass er die Leiden der Steinigung triumphierend ertragen konnte.

«Was ihr erduldet, ist zur Züchtigung, Gott handelt mit euch als mit Söhnen» (Hebr. 12,7).

Was die Hebräer von ihren ungläubigen Volksgenossen erdulden mussten, sollte für sie gleichzeitig zur Züchtigung sein, was nicht den Sinn von Strafe, sondern von Zurechtweisung hat. Jeder, der zu den Söhnen Gottes gehört, die Er mit göttlicher Liebe liebt, ist Gegenstand seiner väterlichen Erziehung. Nach den Versen 4-11 verfolgt Er dabei zwei Ziele:

1. Wir sollen seiner Heiligkeit teilhaftig werden. Wir sind der Stellung nach «Geheiligte in Christo Jesu» (1.Kor. 1,2). Aber wir sollen praktisch lernen, alles Böse, das aus dem Fleische ist und uns begleiten will, weil wir es noch nicht als böse erkannt haben, wahrzunehmen, zu verurteilen und zu meiden. Das ist nicht nur eine Lektion für Anfänger auf dem Glaubensweg, sondern auch für weit Fortgeschrittene: Joseph, in vieler Hinsicht ein schönes Vorbild auf den Herrn Jesus, kam durch den Hass seiner Brüder in grosse Drangsal. «Man presste seine Füsse in den Stock, bis zur Zeit, da sein Wort eintraf; das Wort Jehovas läuterte ihn» (Psalm 105,17-19). Durch das Wort erkannte er, was er in seinem Leben noch richten musste, und er tat es. - Hiob war nach dem Zeugnis Gottes «vollkommen und rechtschaffen und gottesfürchtig und das Böse meidend». Auch er war sich dessen bewusst und meinte, Gott handle ungerecht, wenn Er ihn plötzlich in solch tiefe Trübsal stürze. Als er aber endlich, nach vielen schmerzlichen Herzensübungen, näher ins Licht Gottes kam, rief er aus: «Nun hat mein Auge dich gesehen. Darum verabscheue ich mich und bereue in Staub und Asche» (Hiob 42,5.6). Jetzt setzte er seinen guten Pfad fort, aber nicht mehr in eigener Gerechtigkeit, sondern im Bewusstsein: Gottes Gnade ist es, die mich dazu befähigt. Selbstgerechtigkeit ist unvereinbar mit Gottes Heiligkeit.

2. Züchtigung gibt «die friedsame Frucht der Gerechtigkeit denen, die durch sie geübt sind» (Hebr. 12,11). Jesus Christus ist die Gerechtigkeit des Glaubenden (1.Kor. 1,30). In Ihm hat er ewiges Leben, das sich unter anderem durch Gerechtigkeit kennzeichnet. Damit sich die «Frucht der Gerechtigkeit» ergibt, ist er in Christus, den wahren Weinstock versetzt. Um viel Frucht zu bringen, soll der Gläubige praktisch in Ihm bleiben. Zu diesem Zweck reinigt der Vater die Reben (Joh. 15) - durch Züchtigung.

«Es wurde mir ein Dorn für das Fleisch gegeben, ein Engel Satans, auf dass er mich mit Fäusten schlage, auf dass ich mich nicht überhebe» (2.Kor 12,7).

Gott kann die Seinen auch in Trübsal bringen, um ihr Herz vor Gefahren zu schützen. Paulus war für einige Augenblicke in den dritten Himmel entrückt worden, und es wurden ihm dort überschwängliche Offenbarungen gegeben. Wie leicht hätte sich da das Fleisch in ihm regen und ihn zum Hochmut treiben können! Aber Gott wachte über seinen treuen Diener und gab ihm diesen schmerzlichen Dorn für das Fleisch. Paulus akzeptierte das Eingreifen des Herrn. Es führte dazu, dass er sich im Leben und im Dienst der überströmenden Gnade rühmte, und dass so die Kraft des Christus über ihm wohnen konnte. - Beim gottesfürchtigen Hiskia hatte der vorbeugende Eingriff Gottes, der ihm eine tödliche Krankheit auferlegte, kein so gutes Ergebnis. Als Er ihm auf sein Flehen hin Genesung schenkte, da sagte Hiskia wohl: «Ich will sachte wallen alle meine Jahre wegen der Betrübnis meiner Seele» (Jes. 38,15). Als ihm aber kurz darauf der Teufel, wie Gott vorausgesehen hatte, durch die Gesandten des grossen Königs von Babel mit Schmeichelei entgegentrat, da liess er es an Wachsamkeit fehlen. Sein Herz überhob sich (2.Chr. 32,25). Er zeigte ihnen voll Stolz alle seine Schätze, als ob es die Trophäen seiner eigenen Siege über die Feinde gewesen wären. Dabei war es doch Gott allein gewesen, der ihm in Gnade dazu verholfen hatte. - Möge es doch nicht umsonst sein) wenn Gott auch uns «ein Gewicht ans Bein bindet».

«Die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es nötig ist, betrübt seid durch mancherlei Versuchungen; auf dass die Bewährung eures Glaubens ... erfunden werde zu Lob und Herrlichkeit und Ehre in der Offenbarung Jesu Christi» (1.Petr. 1,6.7).

Bei dem hier genannten «Glauben» geht es um unser Vertrauen zu Gott. Er sieht, ob es mit Vertrauen auf Menschen oder materielle Hilfsmittel vermischt ist. Dann wäre es wie getrübtes Gold, dem im Schmelztiegel Unreinheit entzogen werden muss. Gott beurteilt, ob und wann es nötig ist, dass durch verschiedenartige Prüfungen unser Vertrauen geläutert und falsche Stützen zerbrochen werden müssen. Dieser Prozess kann viele Jahre dauern. - Abraham, der Mann des Glaubens, war vor gewissen Schwierigkeiten aus dem verheissenen Land nach Ägypten und Philistäa entwichen oder hatte zu Hagar Zuflucht genommen, um einen Erben zu bekommen. Aber die entsprechenden Erfahrungen und die Zurechtweisungen, die er empfing, haben seinen Glauben geklärt und befestigt. Schliesslich war sein Vertrauen in Gott und sein Wort so fest geworden, dass Gott ihn der grössten Glaubensprobe unterziehen konnte: der Opferung seines einzigen, geliebten Sohnes Isaak. Er urteilte, dass Gott den ihm so lange verheissenen Sohn «auch aus den Toten zu erwecken vermöge» (Hebr. 11,19). Abraham durfte tatsächlich mit dem lebenden Isaak heimkehren. Gott hatte ihm den Beweis gegeben; dass Er immer zu seinem Wort steht. Eine wunderbare Glaubensstärkung! - David war einer von denen, die durch Glauben «im Kampfe stark wurden», stark im Vertrauen auf Gott (Hebr. 11,32-34). Diese Entwicklung nahm bei ihm ihren Anfang, als er als Jüngling das Kleinvieh weidete. Gott verhinderte nicht, dass räuberische Löwen und Bären (Versuchungen) kamen. Aber diese bewirkten, dass er mit seinem Gott kostbare Erfahrungen der Durchhilfe machen konnte. Sein Glaube wurde dabei so vertieft, dass er sich eines Tages sogar zum Kampf gegen Goliath stellen konnte. - Vor dem Richterstuhl des Christus wird Er einen solchen Glauben, den Er ja selber bewirkt hat, offenbar machen und belohnen.

«Diese Krankheit ist nicht zum Tode, sondern um der Herrlichkeit Gottes willen, auf dass der Sohn Gottes durch sie verherrlicht werde» (Joh. 11,4).

Nicht der Tod sollte bei der Krankheit des Lazarus in Bethanien das Schlusswort haben, sondern die Verherrlichung Gottes und seines Sohnes. Heute können kranke Gläubige den Herrn nicht durch Auferweckung verherrlichen. Aber (je nach Art und Grad der Krankheit) vermögen sie Ihn durch völliges Vertrauen in seine Führung und Ergebenheit in seinen Willen zu ehren, indem sie in seiner Gnade, in seiner Liebe ruhen und vom Wort der Ermunterung erfüllt sind. «Jesus aber liebte die Martha und ihre Schwester und den Lazarus.»

Also auch für die Kinder Gottes der Gegenwart ist diese Welt in verschiedener Hinsicht ein Tränental. Aber es kann für die Gegenwart (Röm. 5,3-5) und für die Zukunft Herrliches bewirken (2.Kor. 4,17). Sie durchschreiten es an des Vaters Hand und dürfen da in allen Proben, Trübsalen und Leiden sein Mitgefühl, seine Barmherzigkeit, seine unvergleichliche Vaterliebe, wie auch die Gnade des Herrn und die Freude in Ihm erfahren. So machen sie dieses Tal für sich und andere zu einem Quellenort. Schon jetzt dürfen sie in seinem Haus wohnen und Ihn loben (Psalm 84,4.6). Und wenn der Herr sie heimholt, was geschieht dann? Dann wird Gott selbst «jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen» (Offb. 21,4).

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Letzte Änderung am 27.03.2010.