Halte Fest
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Der Herr Jesus im Haus

Halte fest Jahrgang 1990 - Seite: 259 - Verfasser: F. Gfeller

«Heute muss ich in deinem Hause bleiben. Und er (Zachäus) stieg eilends hernieder und nahm ihn auf mit Freuden» (Luk 19,5.6).

«Bleibe bei uns, denn es ist gegen Abend... Und er ging hinein, um bei ihnen zu bleiben» (Luk 24,29).

War das Vorrecht, den Herrn Jesus in ihrem Haus aufzunehmen, nur denen vorbehalten, die während seines Dienstes in Palästina gelebt haben? Kann nicht jeder von uns eine Martha, ein Zachäus oder ein Levi sein? Ganz gewiss, und das in zweierlei Hinsicht: erstens indem wir dem Herrn Jesus den Zentralplatz und die Vorrangstellung in unseren Häusern geben, zweitens aber auch durch das Ausüben der Gastfreundschaft, denn «insofern ihr es einem der geringsten dieser meiner Brüder getan habt, habt ihr es mir getan» (Matth. 25,40).

Betrachten wir einmal die im Lukas-Evangelium erwähnten Gelegenheiten, wo der Herr Jesus in ein Haus eintrat. Wir werden dabei sehen, was seine göttliche Gegenwart alles bewirkt, und werden lernen, welches Verhalten sich gegenüber diesem heute unsichtbaren Gast, der uns immer segnen möchte, gebührt.

Im Haus von Simon Petrus (Luk 4,38.39)

Niemand hatte den Herrn Jesus geholt. Das starke Fieber) unter dem die Schwiegermutter Simons an diesem Tag litt, hatte niemand alarmiert. Es handelte sich ja vielleicht nur um einen belanglosen Fall. Aber der Herr Jesus ist da, denn das Haus wurde Ihm geöffnet. «Sie baten ihn für sie.» Ja, für den Heiland ist nichts belanglos, wie auch nichts zu schwerwiegend für Ihn ist. Sei es nun die vom Fieber Befallene, sei es der Gelähmte oder der Besessene, sie alle haben die gleiche Hilfe nötig, um in irgendeiner Tätigkeit nützlich sein zu können.

Der Herr Jesus tritt in das Haus ein, um vom Leiden zu befreien und zum Dienst fähig zu machen. Er bemüht sich um jeden Fall, interessiert sich für jede Lage. Man wendet sich nie vergebens an Ihn. Steht in unserer Zeit die körperliche Heilung immer in Aussicht, wenn der Herr eingreift? Nicht unbedingt, denn im und durch das Leiden kann man fähig gemacht werden, die Aufgabe, die Gott einem anvertraut hat, zu erfüllen.

Im Haus Levis (Luk 5,27-39)

Levi stand mitten in seiner Tätigkeit als Zolleinnehmer. Da vernimmt er eine gebieterische, aber trotzdem sanfte Stimme: «Folge mir nach.» Ohne Widerrede gehorcht er: «Und alles verlassend, stand er auf und folgte ihm nach.» Wenn der Herr Jesus uns ruft, wenn Er uns auffordert, darf nichts dazwischenkommen, was ein Hindernis auf unseren Weg legen könnte. Er hat den Vorrang, und mit Ihm zusammen müssen die Prioritäten gesetzt werden. Levi hat das begriffen, und er geht noch weiter. Er denkt an seine Nächsten, seine Mitarbeiter und Mitbürger, und er lädt sie ein, um mit dem Heiland zusammen die Gastfreundschaft zu geniessen, die er Ihm gewährt. Warum sollte er allein ein solches Vorrecht geniessen? Das Haus Levis ist offen für die Verachteten und Sünder wie er, damit auch sie den grossen Arzt der Seele kennen lernen. Nach dem Beispiel des Meisters, von dem uns das Gleichnis in Lukas 14,16-24 berichtet, füllt Levi sein Haus mit einer Menge von Leuten, denn er will, dass eine grosse Zahl am Festmahl der Gnade teilhabe. Nur die Selbstgerechten kommen nicht in den Genuss davon, jene, die nur auf das Einhalten von Traditionen sehen und daher sogar die neue Ordnung der Dinge, die der Herr Jesus dabei war, einzusetzen, verachten.

Im Haus Simons, des Pharisäers (Luk 7,36-50)

Die Einladung Simons an den Herrn Jesus ergeht wohl mehr aus Anstand als aus Liebe, indem er Ihm eher Höflichkeit als Zuneigung zeigen will. Wird der Herr ein Herz finden, das für Ihn offen steht, ein zugegebenes Bedürfnis, dem der Heiland entsprechen kann? Leider nicht! Das Herz des Simon ist schroff und kalt, sofort zur Kritik an andern bereit, sich selbst aber kennt er nicht.

Wie wir schon gesagt haben, bringt der Herr Jesus immer etwas mit, wenn Er in ein Haus eintritt. Die erste Person, die in diesem Haus in den Genuss davon kommt, ist nicht Simon, und es sind auch nicht die andern Gäste. Selbst die Jünger, wenn sie anwesend waren, scheinen nichts zu bekommen. Eine einzige Person hatte wirkliche Bedürfnisse. Sie hatte sich heimlich hereingeschlichen, ohne eingeladen worden zu sein. Sie kümmert sich nicht darum, was der Hausherr von ihr denkt, und fragt niemand um Erlaubnis. Der Heiland ist da, und Ihn hat sie nötig. Ihre Tränen, ihre Küsse, ihre Salbe, alles ist der Ausdruck dessen, was sie in ihrem Herzen für den Herrn Jesus empfindet.

Welch ein Gegensatz zwischen dem, was aus dem Herzen dieser betrübten Frau hervorströmt, und der Gefühllosigkeit des Pharisäers! Aber der Herr Jesus antwortet auf beides, indem Er Herz und Gewissen berührt und göttliches Licht hineindringen lässt. Alles wird an den richtigen Platz gestellt, und die Frau darf in Frieden hingehen, voller Liebe und Dankbarkeit. Ob Simon wohl diese heilsame Lektion gelernt hat, die auch uns etwas zu sagen hat?

Im Haus des Jairus (Luk 8,51-56)

Der Synagogenvorsteher kommt mit einem ganz dringenden Anliegen zum Herrn Jesus. Der nahende Tod seines Töchterchens von 12 Jahren macht ein unverzügliches Eingreifen nötig. Aber da taucht auf dem Weg ein anderes Bedürfnis auf. Es geht auch um ein Leben, das seinem Ende entgegengeht, zwar langsam, aber unwiederbringlich. Diese anonyme, ängstliche, in der Menge verlorene Frau, soll auch die Heilung von der Hand des Herrn erfahren, nicht nur die Heilung des Körpers, sondern vor allem der Seele. Der Herr Jesus steht deshalb still, um den tiefgehenden und verborgenen Bedürfnissen dieser Frau zu begegnen. Inzwischen stirbt das Töchterchen des Jairus, zur grossen Verzweiflung seiner Angehörigen.

Nun ist es also ein Trauerhaus, in das der Retter eintritt. Ja, Er ist Retter; Er hat es Jairus bezeugt, indem Er der Ohnmacht dieses Vaters, dem die traurige Nachricht soeben überbracht wurde, entgegentrat: «Fürchte dich nicht, glaube nur, und sie wird gerettet werden.» Hier also, in dem Haus, in das der Tod eingetreten ist, befindet sich der Herr Jesus mit dem Vater, der Mutter und drei von seinen Jüngern. Das Leben ist da, in der Person Jesu. Sein Triumph über den Tod ist der sichere Beweis seiner eigenen Auferstehung und die Garantie zur Auferstehung all seiner Erlösten. Seine mächtige Stimme führt zum Leben zurück. «Denn wie der Vater Leben in sich selbst hat, so hat er auch dem Sohn gegeben, Leben zu haben in sich selbst» (Joh. 5,26).

In diesem Töchterchen von etwa 12 Jahren, das vom Tod in das Leben übergegangen ist, weil der Herr Jesus in das Haus eintrat, dürfen wir das Bild eines Kindes gläubiger Eltern sehen, das das Alter der Verantwortlichkeit erreicht hat. Die Stimme des Heilandes hat in diesem Haus Widerhall gefunden. Möge es auch in unseren Familien so sein!

Im Haus der Martha und Maria (Luk 10,38-42)

Das war ein gastfreundliches Haus, was wir daran erkennen, dass der Herr Jesus wiederholt in dieses Haus kam. Die Gastfreundschaft erfordert Hingabe, man muss sich für andere einsetzen und darf keine Mühe scheuen. Dabei ist es auch nötig, den zu ehren, den man empfangen hat. Aber hier, hat der Herr materielle Güter oder die Aufmerksamkeit unserer Herzen nötig? Martha kehrt die Reihenfolge der Prioritäten leider um und bringt einen Vorwurf gegenüber ihrer Schwester an. Indirekt gilt er dem Herrn, weil sie zu sehr damit beschäftigt ist, das Essen in angemessener Weise zubereiten zu wollen. Wir können diese treue Dienerin verstehen, denn wie oft machen wir es wie sie und vergessen dabei, dass aufmerksames Zuhören besser ist als Opfer zu bringen (vgl. 1.Sam. 15,22).

Wenn der Herr Jesus ins Haus eintritt, kommt Er als Der, der Unterweisung bringt. «Wer ist ein Lehrer wie er?» (Hiob 36,22). Heute noch erteilt der Herr Jesus anhand seines Wortes - durch den Heiligen Geist - dem die Belehrung, der sich einen Augenblick zu seinen Füssen niedersetzt, indem er die Sorgen des Lebens hinter sich lässt, oder sie vielmehr dem Herrn übergibt, um auf seine Stimme zu hören. Setzen wir uns zu seinen Füssen nieder, um Ihn zu uns reden zu lassen!

Der Herr hat Martha und Maria unterwiesen, wobei die Belehrung an Martha einen Verweis enthält. Doch bringt dieser seine Frucht, wie wir anhand des Berichts in Johannes 12 über das letzte Abendessen in Bethanien feststellen können. Und Maria, die durch die empfangene Unterweisung Verständnis erlangt hat, bringt ihrem Herrn die Anbetung dar, die Er mit Recht erwarten darf und die ihr liebendes Herz für Ihn aufbewahrt hat.

Im Haus der Pharisäer (Luk 11,37-54 und 14,1-24)

Nicht einmal Höflichkeit war der Beweggrund bei diesen Pharisäern, die Jesus einluden. In beiden Berichten sehen wir die Heuchelei, die der Heiland aufdeckt. Er ist das Licht, Er ist die Wahrheit. Der Schein mag uns irreführen, täuscht aber niemals den Herrn. Die Häuser, in die der Herr Jesus eintritt, mögen gereinigt und mit einem religiösen Anstrich versehen sein, wenn aber die Herzen Ihn nicht zuerst als den Heiland der Sünder angenommen haben, oder wenn man sich allein als würdig erachtet, Ihn einladen zu können, wird der Herr den wahren Zustand der Herzen bald offenbar machen.

Wie viele durchdringende Worte spricht der Herr Jesus am Anfang des 14. Kapitels! Diese Worte sollen auch unser Gewissen erreichen; sie gelten heute ebenso wie damals, dem Christen wie dem Juden. Der Herr benützt die Gelegenheit, das Gleichnis des grossen Abendmahls vorzustellen, ein Gleichnis, das auf die gegenwärtige Zeit anwendbar ist, wo das christliche Bekenntnis den Platz des jüdischen Formalismus eingenommen hat. Möchten unsere Herzen von der Liebe des Heilands für die verlorenen Seelen erfüllt sein, damit wir sie dort suchen gehen, wo sie sich befinden, dort, wo Satan sie mit sich reisst, weg von Gott!

Im Haus des Zachäus (Luk 19,1-10)

Zachäus hätte sich damit zufrieden gegeben, Jesus von ferne zu sehen. Es hätte ihm genügt, Ihn von seinem Sitz auf dem Maulbeerbaum aus vorbeiziehen zu sehen. Sie sind heute noch zahlreich, diese «Zachäusse», denen ein kurzer Kirchenbesuch und von Zeit zu Zeit das Lesen eines kurzen Bibelabschnitts zu genügen scheinen. Aber nein, das reicht nicht aus. Es braucht einen persönlichen Kontakt mit dem Heiland, es ist eine Begegnung von Herz zu Herz mit dem Herrn Jesus nötig. «Zachäus, steige eilends hernieder, denn heute muss ich in deinem Hause bleiben.» Eine dringende Notwendigkeit, die keinesfalls auf den nächsten Tag verschoben werden darf: «Steige eilends hernieder ... heute muss ...» Ein flüchtiges Überfliegen der Wahrheit des Evangeliums lässt das Herz weit vom Heiland entfernt sein, darum besteht der Herr darauf, dort einzutreten, wo Bedürfnisse vorhanden sind, selbst wenn sie nicht zugegeben werden.

Da, wo der Herr Jesus eintritt, bringt Er das Heil: «Heute ist diesem Hause Heil widerfahren.» Die guten Werke und die Aufrichtigkeit des Herzens, so wertvoll sie an ihrem Platz auch sein mögen, erretten die Seele nicht. Der Herr Jesus allein und der Wert seines Werkes am Kreuz können dem Menschen durch Glauben ein ewiges Heil sichern.

In einem anonymen Haus, wo ein Gastzimmer für den Herrn Jesus bereit ist (Luk 22,7-13)

Wir kennen den Hauseigentümer nicht. Er war empfänglich für die Stimme des Meisters: «Wo ist das Gastzimmer, wo ich mit meinen Jüngern das Passah essen mag?» Alles war bereit und der Platz frei für das letzte Zusammensein Jesu mit den Seinen. Wie viele gesegnete Worte hat der Herr in diesem Obersaal ausgesprochen! Wie eine Vorausschau auf das, was das Zusammenkommen im Namen Jesu sein würde, scheint dieser Ort dem Raum zu gleichen, den wir in Johannes 20 und in Apostelgeschichte 1 wiederfinden. Seine geographische Lage ist nicht von Bedeutung. Es heisst einfach: «Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen.» Es können 11 oder 120 oder mehr als 500 sein, was zählt ist Der, welcher der Mittelpunkt ist und dessen Autorität man anerkennt.

Es ist ein Vorrecht damit verbunden, die Versammlung in seinem eigenen Haus versammelt zu haben. Wir finden mehrere solcher Fälle in den Briefen erwähnt. Das ist jedoch nicht immer möglich. Aber der Ort, wo die Gegenwart des Herrn verwirklicht wird, sollte in jedem Fall ein bekannter Ort sein, der für jedermann offen ist und dessen Ausstrahlung der Umgebung einen Segen bringt. Es ist das «Gastzimmer» des Herrn, Er lädt uns alle, für die Er gestorben und auferstanden ist, dorthin ein.

Im Haus von Emmaus (Luk 24,28-31)

Die Traurigkeit der beiden Jünger, die sich von Jerusalem entfernten, ist gewichen, als ihnen ihr Begleiter auf dem Weg die Schriften geöffnet hat. Ihr Herz hat sich bei den Worten des Meisters erwärmt auch wenn sie Ihn noch nicht erkannt haben. Seine Gegenwart scheint ihnen unerlässlich, darum wollen sie Ihn noch ein wenig zurückhalten, indem sie als Begründung die vorgerückte Stunde angeben.

«Und sie nötigten ihn», wird gesagt. Bei einer anderen Gelegenheit, in Bethanien, brauchte man den Herrn nicht zu nötigen, einzutreten. Hier aber, in Emmaus, tun es diese zwei Jünger nur, um weitere Ermunterung zu empfangen. Sie scheinen gedacht zu haben, was nützt es, in Jerusalem zu bleiben. Hatten sie jetzt nicht die Möglichkeit, mit ihrem Begleiter, dem Herrn Jesus, eine vollkommene Gemeinschaft in der gemeinsamen Freude zu geniessen? Tatsache ist aber, dass Er ihren Aufenthaltsort nicht gutheissen kann, aber Er lässt sich doch dazu herab, ins Haus einzutreten und sich mit ihnen zu Tisch zu setzen. Welch vollkommene Liebe des Heilands, der zwei schwach gewordene Jünger zurückführen, wiederherstellen und segnen möchte!

Der Herr Jesus tritt als der wahre Hirte, der das verirrte Schaf zurückführt und das kranke stärkt, in das Haus von Emmaus ein. Er hat ihnen auf dem Weg die Schriften geöffnet. Er öffnet ihr Herz, indem Er ihre Gastfreundschaft annimmt, und Er öffnet ihre Augen, indem Er vor ihnen als ihr Meister zu Beginn des Mahls das Brot bricht. Diese besonders ausdrucksvolle Handlung konnte sie an den Wunsch erinnern, den der Herr in der Nacht, in der Er überliefert wurde, seinen Jüngern gegenüber geäussert hatte. So bleibt bei ihnen kein Zweifel mehr bestehen. Ja, es ist der Herr, Er ist auferstanden!

Der Herr kann seine Anwesenheit in Emmaus nicht verlängern, denn Er will die Seinen nicht dort versammeln. Ohne dass es ihnen gesagt worden wäre, verstehen die beiden, wohin sie sich begeben müssen, um vollkommen das zu geniessen, was sie nur geahnt haben. Die vorgerückte Stunde spielt keine Rolle. Der lange Weg hält sie nicht zurück. Bestimmt haben sie diese sechzig Stadien leichten Fusses zurückgelegt, um die elf Apostel wiederzufinden und ihnen zu sagen, wie der Herr ihnen begegnet ist und wie Er sich ihnen durch das Brechen des Brotes zu erkennen gegeben hat.

Möchten unsere Häuser dem des Zachäus gleichen, bereit, das Heil zu empfangen! Möchten sie demjenigen von Levi gleichen, damit die Liebe des Heilands darin scheine! Lassen wir sie auch dem von Martha und Maria gleichen, indem wir uns Zeit nehmen, auf das Wort des Meisters zu hören und es aufzunehmen! Möchten wir vor allem erkennen, wo sich der «Wohnort» des Herrn befindet, um dort an seinem Tisch die Gemeinschaft zu geniessen und in seiner Gegenwart miteinander das Mahl zu feiern, das Er zu seinem Gedächtnis eingesetzt hat!

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Letzte Änderung am 27.03.2010.