Das Hohepriestertum Christi
Halte fest Jahrgang 1961 - Seite: 161
Wie gesegnet und gewinnbringend ist es, sich mit dem Hohepriestertum Christi zu beschäftigen!
Sein Wesen und sein Zweck werden besonders im Hebräerbrief beschrieben. Doch gibt uns auch die Gegenüberstellung mit dem Hohepriestertum Aarons manche Klarheit.
Nach dem Durchzug durch das Rote Meer war Israel von der Knechtschaft Ägyptens befreit und als erlöstes Volk zu Jehova, seinem Gott, in Beziehung gebracht. Aber es war ein schwaches Volk, das auf dem Wege durch die Wüste der Hilfe bedurfte. Darum wurde ihm das aaronitische Priestertum gegeben. Sie bedurften vor allem eines Stellvertreters, der ihretwegen beständig in der Gegenwart Gottes erschien und Seine Beziehungen der Heiligkeit und Güte ihnen gegenüber aufrecht hielt.
In tiefer Dankbarkeit gegenüber Gott dürfen wir uns darüber freuen, dass jenes Priestertum nicht bestehen blieb und Gott mit einem Eidschwur für uns ein bleibendes und vollkommenes Priestertum, verbunden mit unvergleichlich herrlicheren Segnungen, eingeführt hat.
Das Hohepriestertum Aarons als Vorbild
Dieses Priestertum kam aus dem Stamme Levi und war dem Hause Aarons anvertraut. Es stand in Verbindung mit dem Gesetz eines fleischlichen Gebots (Hebr. 7,16). Es waren immer wieder andere Männer, die dieses Amt bekleideten, weil «sie durch den Tod verhindert waren, zu bleiben» (7,23), und diese Priester waren von ihrer eigenen Schwachheit umgeben (7,28). Die Schlachtopfer, auf die jenes Priestertum sich gründete, vermochten die Hinzunahenden nicht vollkommen zu machen; in jenen Opfern war alljährlich ein Erinnern an die Sünden (10,1-3). Aber wenn auch zwischen dem israelitischen und dem Hohepriestertum Christi gewaltige Unterschiede und Gegensätze bestehen, so wird uns Aaron in seinem Amt, seinem Dienst und seiner Meldung im Worte Gottes doch als ein schönes Vorbild auf Christum hin vorgestellt. Im Laufe unserer Betrachtung werden wir dessen einzelne Züge mit dem Gegenbild vergleichen Wir wollen hier nur kurz noch einige Einzelheiten dieses Vorbildes, wie sie uns in 2.Mose 28 gezeigt werden, in Erinnerung bringen. Das Kleid des Hohenpriesters war von besonderer Art. Er trug nicht nur ein leinenes Beinkleid und einen Leibrock von Byssus, wie die übrigen Priester (V. 39,42), sondern auch das Oberkleid des Ephods aus blauem Purpur, an dessen Saum Granatäpfel aus rotem und blauem Purpur und Karmesin, wie auch Schellen von Gold befestigt waren (V. 31-35). Darüber trug er das Ephod, ein kunstvolles, vermutlich kürzeres Gewand, das aus Gold, blauem und rotem Purpur, Karmesin und gezwirntem Byssus angefertigt war. Es wurde oben durch zwei Schulterstücke und um die Hüfte durch einen gewirkten Gürtel zusammengehalten (V. 5-8).
Auf den Schulterstücken waren zwei grosse Onyxsteine befestigt, in welche die Namen der Söhne Israels nach ihrer Geburtsfolge eingegraben waren. Aaron sollte so «ihre Namen auf seinen beiden Schultern tragen vor Jehova zum Gedächtnis» (Vers 9-14).
An der Vorderseite des Ephods war ausserdem ein quadratförmiges Brustschild in Kunstweberarbeit, wie das Ephod, befestigt. Dieses war mit vier Reihen zu je drei, also mit insgesamt zwölf Edelsteinen besetzt, und jeder trug wiederum den Namen eines der zwölf Stämme Israels. Aaron trug «die Namen der Söhne Israels an dem Brustschilde des Gerichts auf seinem Herzen», wenn er ins Heiligtum hineinging, «zum Gedächtnis vor Jehova beständig.» Mit grosser Ausführlichkeit wird die Befestigungsart dieses Brustschildes beschrieben. Es durfte sich keinesfalls von dem Ephod verrücken. Wo immer auch Aaron im Heiligtum stand, was immer er tat, das Brustschild mit den zwölf Namen blieb auf seinem Herzen (V. 15-29).
In das Brustschild des Gerichts wurden auch die Urim und die Thummim gelegt, «dass sie auf dem Herzen Aarons seien», wenn er vor Jehova hineinging. Er sollte «das Gericht der Kinder Israel auf seinem Herzen tragen vor Jehova beständig» (V. 30). Aaron trug schliesslich an seinem hohen Kopfbund ein Blech von reinem Golde mit der Aufschrift: «Heiligkeit dem Jehova!» Es sollte «beständig an seiner Stirn sein, zum Wohlgefallen für sie vor Jehova» (V.36-38).
Das Opfer und das Hohepriestertum Christi
Seit dem Unterbruch der Beziehungen Gottes mit Seinem irdischen Volke besteht auch das aaronitische Priestertum nicht mehr. Gestützt auf Sein eigenes Opfer, hat mit der Auferstehung und Verherrlichung Christi zur Rechten Gottes im Himmel Sein ewiges Hohepriestertum begonnen.
Während jene Hohenpriester immer wieder Opfer für die Sünden darbringen mussten, hat Christus als Hoherpriester im Himmel nichts mehr mit unseren Sünden zu tun. Wir lesen: «Der nicht Tag für Tag nötig hat, wie die Hohenpriester, zuerst für die eigenen Sünden Schlachtopfer darzubringen. sodann für die des Volkes; denn dieses hat er ein für allemal getan, als er sich selbst geopfert hat» (Hebr. 7,27). «Christus aber, gekommen als Hoherpriester der zukünftigen Güter, in Verbindung mit der grösseren und vollkommeneren Hütte... nicht mit Blut von Böcken und Kälbern, sondern mit seinem eigenen Blute, ist ein für allemal in das Heiligtum eingegangen, als er eine ewige Erlösung erfunden hatte» (9,11.12). «Welcher, nachdem er durch sich selbst die Reinigung der Sünden bewirkt, sich gesetzt hat zur Rechten der Majestät in der Höhe» (Hebr. 1,3).
Sein Amt als Hoherpriester ist also auf den ewigen Wen des einen, am Kreuze vollbrachten Opfers gegründet, das nicht wiederholt zu werden braucht. - Die Frage:
Für wen ist Christus Hoherpriester?
ist nun leicht zu beantworten. Es sind solche, die durch wahren Glauben an Christum und Sein Opfer «vollkommen» gemacht sind: «Denn mit einem Opfer hat er auf immerdar vollkommen gemacht die geheiligt werden» (Hebr. 10,14).
Aaron war nur für Israel Hoherpriester. Dieses dem Bilde nach erlöste und befreite Volk (Passah, Rotes Meer), ist ein Vorbild des in Wirklichkeit erlösten himmlischen Volkes Gottes, das noch auf der Erde ist. Christus. übt Sein Hohepriesteramt nur für die Seinen aus, die - wie einst Israel nach Kanaan - als Pilger und Fremdlinge durch die Wüste dieser Welt der Ruhe Gottes entgegenwandern. Wir lesen von Christo und den Gegenständen Seines Priesterdienstes: «Denn es geziemte ihm, um dessentwillen alle Dinge und durch den alle Dinge sind, indem er viele Söhne zur Herrlichkeit brachte, den Urheber ihrer Errettung durch Leiden vollkommen zu machen. Denn sowohl der, welcher heiligt, als auch die, welche geheiligt werden, sind alle von einem; um welcher Ursache willen er sich nicht schämt, sie Brüder zu nennen» (Hebr. 2,10.11).
Die hervorgehobenen Ausdrücke zeigen deutlich, um welche Personen es sich handelt. Sie werden auch: «heilige Brüder» - «Genossen der himmlischen Berufung» (Hebr. 3,1) genannt, die zur Anbetung «durch ihn Gott nahen» (7,25), indem sie «Freimütigkeit haben zum Eintritt in das Heiligtum durch das Blut Jesu» (10,19-21), da sie, als durch Christum Geheiligte, «kein Gewissen von Sünden» mehr haben.
Als «Söhne» und «Genossen der himmlischen Berufung», die durch das Opfer Jesu Christi «vollkommen gemacht» sind, nahen wir uns nun Gott durch den Hohenpriester, also auf der Grundlage der Vergebung unserer Sünden.
Die Qualifikation Christi zum Hohepriestertum
Jesus Christus, unser Herr, besitzt in wunderbarer Vollkommenheit - wie könnte es auch anders sein! - in Seiner Person und durch Seine persönlichen Erfahrungen alle Voraussetzungen zum Hohepriesteramt und -dienst für das himmlische Volk Gottes.
1. Die Würde Seiner Person - Im Hebräerbrief, in welchem, wie schon erwähnt, das Hohepriestertum Christi in besonderer Weise in den Vordergrund tritt, wird unsere Aufmerksamkeit im ersten Kapitel vor allen Dingen auf die Würde Seiner Person gelenkt. Es werden dort Seine persönlichen Herrlichkeiten aufgezählt:
Er ist der Sohn, der Erbe und der Schöpfer aller Dinge (Verse 1-2), der Abglanz der Herrlichkeit Gottes und der Abdruck Seines Wesens. Er trägt alle Dinge durch das Wort Seiner Macht. Nachdem Er durch sich selbst die Reinigung der Sünden bewirkt, hat Er sich zur Rechten der Majestät Gottes in der Höhe gesetzt (Vers 3). Im Vergleich mit den Engeln hat Er einen vorzüglicheren Namen ererbt (Vers 4); denn Er ist der Sohn, der Erstgeborene (Vers 5.6). Als Gott gehört Ihm der Thron der Gerechtigkeit; und Er wurde mit Freudenöl gesalbt über Seine Genossen (Vers 8.9). Schliesslich werden wir noch einmal auf Seine ewige und göttliche Schöpferherrlichkeit hingewiesen. Nun nimmt Er Seinen Platz zur Rechten Gottes ein, fortan wartend, bis Seine Feinde zum Schemel Seiner Füsse gelegt sind (Verse 10-14). Im zweiten Kapitel wird Er uns als Sohn des Menschen vorgestellt, den Gott über die Werke Seiner Hände gesetzt hat. Als solcher war Er wegen des Leidens des Todes ein wenig unter die Engel erniedrigt, ist nun aber mit umso grösserer Ehre und Herrlichkeit gekrönt (Vers 9). Es geziemte der Herrlichkeit Gottes, dass Er als der Urheber der Errettung Seines Volkes durch Leiden vollkommen gemacht wurde (Vers 10). Er ist des Blutes und Fleisches teilhaftig und in allem Seinen Brüdern gleich geworden, auf dass Er in den Sachen mit Gott ein barmherziger und treuer Hoherpriester werden möchte, um die Sünden des Volkes zu sühnen (V. 17). Das Wesen, die Würde und die Herrlichkeit Seiner Person sind es, die Ihn vor allen Dingen für Sein Hohepriesteramt qualifizieren und Ihn befähigen, es auszuüben. Wenn Er nicht sowohl Gott als auch Mensch gewesen wäre, hätte Er für die Sünden des Volkes nicht Sühnung tun und durch Seinen Tod den zunichte machen können, der die Macht des Todes hat, das ist den Teufel. Er hätte die, welche durch Todesfurcht das ganze Leben hindurch der Knechtschaft unterworfen waren, nicht zu befreien vermocht, und, was Ihn selber betraf, nicht durch Leiden vollkommen gemacht werden können (Hebr. 2,10.14.15). Es ist Seine Person, die uns bezüglich Seines Amtes volle Sicherheit gibt; und darum hat der Heilige Geist, um unsere Herzen zu befestigen, zuerst Seine Herrlichkeiten und Würden beschrieben, die Ihn auszeichnen. Erst in zweiter Linie beschäftigt Er uns mit den Einzelheiten des Dienstes unseres Hohenpriesters.
2. Er ist von Gott zum Hohenpriester berufen. - Wir lesen in Hebräer 5,4-10: «Niemand nimmt sich selbst die Ehre, sondern als von Gott berufen, gleichwie auch Aaron. Also hat auch der Christus sich nicht selbst verherrlicht, um Hoherpriester zu werden, sondern der, welcher zu ihm gesagt hat: «Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt». Wie er auch an einer anderen Stelle sagt: «Du bist Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks»... Er ist allen, «die ihm gehorchen, der Urheber ewigen Heils geworden, von Gott begrüsst als Hoherpriester.» Dass Christus von Gott zum Hohenpriester berufen worden ist, füllt das Herz des Gläubigen mit Freude. Er ist Gott so unendlich wohlgefällig!
Das zerstört alle Anmassungen eines menschlichen Priestertums. Wohl sind alle, die zum Volke Gottes gehören, ein heiliges Priestertum (1.Petr. 2,5), aber wer sich heute das Recht anmasst, im Gegensatz zu anderen Gläubigen als Priester aufzutreten und dieses Amt für sie auszuüben, wird umsonst zu beweisen versuchen, dass er von Gott dazu berufen worden ist.
In Bezug auf das Priestertum Jesu Christi wird im Vergleich zum levitischen Priestertum feierlich erklärt: «Jene sind ohne Eidschwur Priester geworden, dieser aber mit Eidschwur durch den, der zu ihm sprach: «Der Herr hat geschworen, und es wird ihn nicht gereuen: Du bist Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks» (Hebr. 7,21).
3. Er ist im Blick auf Sein Amt «vollendet» worden. - «Vollendet worden, ist er allen, die ihm gehorchen, der Urheber ewigen Heils geworden» (Hebr. 5,9).
In sittlicher Hinsicht musste Er in keiner Weise «vollendet» werden; Er war ja immer vollkommen und der Gegenstand des ununterbrochenen Wohlgefallens Gottes. Aber es war nötig, dass Er, der sich als Sohn Gottes nie in einer Stellung des Gehorsams befand, als Mensch den Gehorsam lernte, (Vers 8), um auf diese Weise allen, die Ihm gehorchen, der Urheber ewigen Heils zu werden. So «vollendet», begrüsste Ihn Gott als Hohenpriester.
Er begab sich also in eine Stellung der Abhängigkeit Gott gegenüber und vollführte bei jedem Schritt den Willen Gottes, ob Ihn dieser Weg auch durch Leiden, ja sogar zum Tode am Kreuze führte. Im Widerstand der Menschen gegen die Wahrheit, die Er darstellte, in ihrem Hass gegen das Licht, das Er verbreitete, in ihrer Verachtung, in der Schmach, die Ihm angetan wurde, in den Versuchungen, in den körperlichen Leiden und seelischen Qualen des Kreuzes - lernte Er die Kosten des Gehorsams und die Schwachheit des Leibes kennen.
Von den Freunden unverstanden, von den Feinden umzingelt, bekämpft und verfolgt, hat Er die Fahne des Gehorsams bis zum Ende emporgehalten, um sie am Kreuze mit dem Rufe: «Es ist vollbracht!» Gott unversehrt übergeben zu können. Er hatte in allen Dingen Seinen Willen erfüllt
Wie hat Er nun volles Verständnis für alle, die berufen sind, auf demselben Wege des Gehorsams dem himmlischen Ziele entgegenzugehen! Wie vollkommen ist das Mitleid und das Mitempfinden unseres Hohenpriesters in allem, was wir dabei erfahren und erleiden!
Worin besteht Sein Hohepriesteramt?
1. Er erscheint für uns vor Gott. - Christus ist nicht wie Aaron, in die Stiftshütte eingegangen. Dieses war nur ein mit Händen gemachtes Heiligtum, ein Gegenbild des himmlischen Heiligtums. Er ging vielmehr in den Himmel selbst ein, um jetzt vor dem Angesicht Gottes für uns zu erscheinen (Hebr. 9,24). Er vertritt uns vor Ihm, gemäss den Rechten, die uns auf Grund des unendlichen Wertes des Werkes Christi und dessen für uns so herrlichen Ergebnissen geschenkt worden sind. Er ist als unser Stellvertreter vor Gott, entsprechend der Stellung und den himmlischen Segnungen, die uns in Christo gegeben worden sind.
Selbstverständlich hat unser Hoherpriester nicht das Kleid Aarons angezogen, aber die grossen Wahrheiten, von denen jenes Kleid in seinen Einzelheiten vorbildlich sprach, sind in Ihm nun volle Wirklichkeit geworden.
Die beiden Onyxsteine auf den Schultern Aarons und die zwölf Edelsteine des Brustschildes, die so eng und unverrückbar mit seiner Person verbunden waren und die Namen der zwölf Söhne Israels trugen, reden eine so verständliche und eindrückliche Sprache! Die Stärke der Schulter und die Zuneigung des Herzens unseres Hohenpriesters sind ganz den Interessen Seiner Erlösten, die Er mit Namen kennt, gewidmet. Er, der Seine Macht in der Schöpfung und in der Erhaltung aller Dinge bewiesen und in der Dahingabe Seines eigenen Lebens eine alles Denken übersteigende Liebe zu uns an den Tag gelegt hat, trägt in ewiger Treue jeden Einzelnen der Seinen vor Gott. Selbst den Schwächsten unter ihnen betrachtet Gott in der Wohlannehmlichkeit Christi, mit Seiner Schönheit bekleidet, angenehm gemacht in dem Geliebten (Eph. 1,6). Für Ihn sind wir funkelnde Edelsteine, die zwar kein eigenes Licht besitzen, aber Seinen Glanz widerstrahlen.
So, wie Aaron an seiner Stirn zum Wohlgefallen für die Kinder Israel vor Jehova ein Blech von reinem Golde trug, mit der Aufschrift: «Heiligkeit dem Jehova!», so ist nun die Heiligkeit Jesu Christi «beständig» unsere Heiligkeit vor Gott: «Aus ihm (Gott) seid ihr in Christo Jesu, der uns geworden ist Weisheit von Gott und Gerechtigkeit und Heiligkeit und Erlösung» (1.Kor. 1,30).
In dem Brustschild befanden sich auch die Urim und die Thummim (= «Lichter und Vollkommenheiten»). Christus hat hier auf der Erde für uns das Gericht gemäss dem Licht und den Ansprüchen der Vollkommenheit Gottes getragen. Er ist jetzt der treue Zeuge dieser herrlichen Tatsache vor Gott. (Durch die Urim und Thummim befragte man auch Jehova
4.Mose 27,21 wie man sich in diesem oder jenem Fall zu verhalten hatte. Sie sind also auch ein Bild der Hilfsquellen der göttlichen Weisheit für einen Wandel in Übereinstimmung mit unserer Stellung.)
Unser Herr übt Sein Hohepriesteramt im Himmel aus und ist in der Gegenwart Gottes verborgen. Das Oberkleid des Ephods war ganz von blauem Purpur, und wir bilden sozusagen den Saum dieses Kleides auf der Erde. Aber an dem Saum des Oberkleides waren Schellen von Gold und Granatäpfel befestigt ringsum: Der vom Himmel hernieder gesandte Heilige Geist zeugt nun inmitten der Versammlung Gottes von dieser verborgenen Stellung und Tätigkeit unseres Hohenpriesters und bringt in dem Erlösten die praktische Frucht hervor, die unserer himmlischen Stellung in Christo entspricht.
Der Gürtel redet davon, dass Christus durch Seine Menschwerdung Diener geworden ist. Er ist es auch in Seiner Eigenschaft als Hoherpriester. Und da Er «sein Weib», die «Versammlung», liebt, (auch Sein irdisches Volk), will Er auf ewig Diener bleiben (vergl. 2.Mose 21,5-6; Luk. 12,37).
Welch ein Trost liegt doch für uns, die wir uns noch auf dem Lauf durch die Wüste befinden, in allen diesen Wahrheiten! Wir dürfen auf unseren grossen Hohenpriester blicken und eingedenk bleiben, dass Er sich in Seiner Kraft und Seinen Zuneigungen in der Gegenwart Gottes für uns verwendet, auf Grund dessen, was Er selbst für uns ist!
2. Durch unseren Hohenpriester empfangen wir vom Thron der Gnade Barmherzigkeit und Gnade zur rechtzeitigen Hilfe (Hebr. 4,16).
Christus ist als Hoherpriester in Verbindung mit einem Volke in der Wüste, das der Ruhe Gottes droben entgegenwandert. Er reicht ihm, jedem Einzelnen der Seinen, Hilfe aus dem Heiligtum dar. Darüber freuen wir uns alle.
Doch sind sich manche über die Art dieser Hilfe nicht im Klaren. Unter der für uns so tröstlichen Feststellung: «Wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht Mitleid zu haben vermag mit unseren Schwachheiten» (Hebr. 4,15), verstehen sie ein Mitleid mit einem irdisch gesinnten Christen, der immer wieder den Versuchungen der Sünde erliegt und strauchelt.
Gewiss, einem solchen Christen muss seine Sünde zum Bewusstsein gebracht werden. Und wenn er sie bekennt und verurteilt wird er aufgerichtet und wiederhergestellt. Doch das ist die Aufgabe, die der Herr Jesus als «Sachwalter» übernimmt (1.Joh. 2,1-2). «Wir, die wir der Sünde gestorben sind, wie sollten wir noch in derselben leben?» (Röm. 6. 2). Wenn unser Christenlauf durch Weltliebe, durch Leichtfertigkeit und Mangel an Wachsamkeit gekennzeichnet ist, da bedürfen wir sicherlich auch der Liebe, aber der Liebe des Sachwalters und der Liebe des Vaters, der Sein ungehorsames Kind züchtigt, um es so zu einer Sinnesänderung zu führen.
Wir haben uns daran erinnert, dass unser Herr Jesus alle Erfahrungen und Leiden, durch die Er als Mensch auf der Erde geführt worden ist, auf dem Pfade des vollkommenen Gehorsams gefunden hat, den Er in Absonderung von jeder Sünde als himmlischer Fremdling ging.
Wir Gläubige sind berufen, Ihm auf diesem Wege zu folgen. Wir werden dabei ähnlichen Schwierigkeiten und Leiden begegnen und unserer grossen Schwachheit bewusst werden. Aber lasst uns nicht davor zurückschrecken! Wir dürfen da in allen Einzelheiten mit dem verständnisvollen Mitleid unseres Hohenpriesters und Seiner tatkräftigen Hilfe rechnen. Wenn Er dies tut, ist Er sozusagen in Seinem Element.
In Verbindung damit muss Er aber auch unsere Herzen bilden und sie zu der Höhe unserer Stellung in Ihm und zum vollen Genuss unserer himmlischen Segnungen führen. Er will himmlisch gesinnte Personen aus uns machen. Das ist eine andere, wichtige Seite Seines priesterlichen Dienstes.
Wie schwierig ist dieses Werk! Die Neigung unserer Herzen zu Oberflächlichkeit, Leichtfertigkeit und einem Sichgehenlassen hindert sie, sich zum Genuss der vollen Offenbarung des Herrn Jesus zu erheben. Dass sie an Christo Wonne finden, so wie Gott an Ihm Wonne hat, bedürfen sie eines geistlichen Verständnisses; das Fleisch vermag die geistlichen Dinge nicht zu erfassen. Unsere Herzen müssen gehoben werden, um das, was Gott denkt, geniessen zu können.
Dabei handelt es sich weniger um ein Erfassen mit dem Verstande, als vielmehr um den sittlichen Zustand unserer Seele. Das Herz muss die Dinge im Glauben erfassen, die Gott offenbart. Christus will durch den Glauben in unseren Herzen wohnen. Wir müssen durch den Geist an dem inneren Menschen mit Kraft gestärkt werden, um in der Liebe gegründet zu sein, um sie zu erkennen und ihr Ausmass verstehen zu können (Eph. 3,16-21). Wir haben nötig, von dem Einfluss, der auf unsere natürlichen Sinne einwirkt, befreit zu werden.
Das Hohepriestertum Christi kommt uns also in diesem Zustand zu Hilfe. Er entspricht durch die Macht Gottes allen unseren Bedürfnissen, um uns zu der Höhe zu erheben, auf der Er sich selbst befindet. - Wenn ich jemand behilflich sein will, aus einem Graben herauszukommen, so muss ich mich ausserhalb des Grabens befinden. Vom Rande aus strecke ich ihm meine Hand zur Hilfe entgegen; denn im Graben könnten wir uns beide nicht helfen. - Auf diese Weise hilft der Herr Jesus.
Sein Priestertum steht im Gegensatz zu dem Aarons, der von denselben Schwachheiten umgeben war wie jene, für die er sein Priesteramt ausübte.
In den Versen Hebräer 2,10 und 7,26 finden wir die Ausdrücke: «Es geziemte ihm» und es «geziemte uns». Es geziemte Gott, den Urheber unserer Errettung durch Leiden vollkommen zu machen. Um Seine Schafe hinauszuführen, musste Er diesen Weg beschreiten. Aber was geziemt uns? Einen Hohenpriester zu haben, der höher als die Himmel geworden ist! Er muss sich im Himmel befinden, da, wo sich Gott mit Seinem Volke in Verbindung setzt. Da kann Er sich in der wirksamsten Weise mit meinen Bedürfnissen und meinen Interessen beschäftigen. Wenn wir eines Hohenpriesters bedurften, der mit uns Mitleid hat, so musste es einer sein, der die Stellung einnimmt, die uns zukommt. Denn durch Gnade sind auch wir berufen, «heilig, unschuldig, unbefleckt, abgesondert von den Sündern» zu sein und eine himmlische Gesinnung zu haben.
3. Wir haben Freimütigkeit zum Eintritt ins Heiligtum durch das Blut Jesu, und weil Er als unser grosser Hoherpriester sich dort befindet.
Wir dürfen sagen: Unser Platz ist innerhalb des zerrissenen Vorhangs, auf Grund des Blutes, das unsere Sünden für immer ausgetilgt hat. Und weil wir einen Hohenpriester haben, der über das Haus Gottes gesetzt ist, können wir Gott nahen, «mit wahrhaftigem Herzen, in voller Gewissheit des Glaubens, die Herzen besprengt und also gereinigt vom bösen Gewissen, und den Leib gewaschen mit reinem Wasser» (Hebr. 10,19-22). Der Platz innerhalb des zerrissenen Vorhangs ist der Ort unserer Anbetung; aber wir könnten uns nicht dort aufhalten, wenn sich nicht unser Hoherpriester dort befände, der für uns eine ewige Erlösung erfunden hat.
4. Durch unseren Hohenpriester steigt unser Lob und unsere Anbetung zu Gott empor. - «Durch ihn nun lasst uns Gott stets ein Opfer des Lobes darbringen, das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen» (Hebr. 13,15).
Welch unendliche Gnade, einen Hohenpriester zu haben, der in unserer Anbetung das Wertvolle vom Wertlosen zu unterscheiden vermag, und infolgedessen nicht zulässt, dass Gott etwas dargebracht wird, das Seiner Heiligkeit fremd ist.
Die Priester im Alten Bunde mussten die Opfer prüfen und alles Fehlerhafte zurückweisen, damit nur das auf dem Altar verbrannt wurde, was den von Gott gestellten Bedingungen entsprach. So macht es auch Christus in Bezug auf unsere Opfer des Lobes. Das ist im Blick auf unsere Unwissenheit und unsere Schwachheit ein grosser Trost. Ohne Zweifel sollten auch wir ein Unterscheidungsvermögen von Priestern haben und aus unserer Anbetung alles Unpassende ausschliessen. Aber es ist doch eine grosse Ermunterung für uns, zu wissen, dass nichts vor Gott gebracht wird, als nur was unser Hoherpriester angenommen hat Er weiss den «Kropf mit seinem Unrat» vom Brandopfer abzutrennen (3.Mose 1,14-17).
5. Er vermag «völlig zu erretten, die durch ihn Gott nahen, indem er immerdar lebt, um sich für sie zu verwenden» (Hebr. 7,25).
Er ist einmal gestorben und stirbt nicht mehr. Er lebt für immer und übt ein unveränderliches Priestertum aus (7,24). Wenn er unsere Sache in die Hand genommen hat, so wird Er sie folglich niemals aufgeben. Sein Amt hat kein Ende, und nichts wird Seine allmächtige Fürbitte unterbrechen. Das ist uns eine unbedingte Garantie dafür, dass wir in der Wüste niemals umkommen werden, und dass Er uns aus allen Schwierigkeiten, Gefahren und Versuchungen, die uns auf dem Wege hienieden begegnen, zu erretten vermag. Wenn es Josua nicht gegeben war, Israel in die Ruhe einzuführen, so wird uns aber unser Herr Jesus auf Grund Seines Opfers gewiss dahin führen, da Er den Tod siegreich überwunden hat und immerdar lebt, um Sich für uns zu verwenden.
Nachdem wir nun das Wesen und das Amt Christi als Hoherpriester betrachtet haben, sind unsere Herzen mit Anbetung und Dankbarkeit gegen Gott erfüllt. Er hat in Seiner Gnade in so wunderbarer Weise Vorsorge für alle unsere Bedürfnisse auf der Wüstenreise getroffen. Dem Volke Israel hat Er einen Mose, einen Aaron und einen Josua gegeben, uns aber Seinen vielgeliebten Sohn, den Herrn Jesus, und mit Ihm eine volle und unbedingte Gewissheit, dass Er uns in die ganze Herrlichkeit einführen wird, für die wir in Christo zuvorbestimmt sind.
Welche Wirkung sollte nun die Betrachtung Christi, unseres Hohenpriesters, in uns hervorbringen? Dass wir das Bekenntnis der Hoffnung unbeweglich festhalten (Hebr. 4,14; 10,23). Besitzen wir doch in Christo eine Hoffnung, einen festen und sicheren Anker der Seele, der ins Innere des Vorhangs hineingeht! (6,18-20). Da Er sich für uns vor Gott verwendet, wissen wir, dass trotz unserer eigenen Schwachheit, trotz der Kraft, der Tätigkeit und des Hasses unserer Feinde wir durch die Schwierigkeiten und Gefahren der Wüste hindurch kommen und in den Besitz und in den Genuss der ewigen Ruhe Gottes eintreten werden.