Ich bin...
Halte fest Jahrgang 1970 - Seite: 289 - Verfasser: M. T.
[Dieser Artikel ist als Büchlein unter dem Titel «Ich bin ...» im Beröa-Verlag, Zürich, erschienen]
Übersicht
Das Leben - das Brot des Lebens
Das Licht der Welt
Der gute Hirte
Die Tür der Schafe
Der Weg
Die Wahrheit
Der wahre Weinstock
Die Auferstehung
Das Alpha und das Omega
Die Wurzel und das Geschlecht Davids
Der glänzende Morgenstern
Der Herr Jesus offenbart sich im Evangelium Johannes und in der Offenbarung mehrere Male als der grosse «Ich bin», als der ewig Seiende, offenbart im Fleische, und in welchem «die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig wohnt» (Kol. 2,9). Wir möchten jetzt über die Stellen der Schrift nachsinnen, die von dieser Offenbarung reden. Möchte die Betrachtung einiger der göttlichen Herrlichkeiten des Menschen Christus Jesus unsere Seelen mit Anbetung erfüllen und sie dazu treiben, auszusprechen, was sie in dieser Person gefunden haben, wie dies beim Propheten Jesaja der Fall war, der, als er Seine Herrlichkeit gesehen hatte, von Ihm redete (Joh. 12,41).
Zweimal verkündet der Herr Jesus, dass Er das Leben sei. «Ich bin die Auferstehung und das Leben... Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.» Als Sohn Gottes hatte Er das Leben in sich selbst und Er hat die Macht, es mitzuteilen. «Denn gleichwie der Vater Leben in sich selbst hat, also hat er auch dem Sohne gegeben, Leben zu haben in sich selbst... Also macht auch der Sohn lebendig, welche er will» (Joh. 5,26 und 21).
Weil dieses Leben in Christo ist, kann es nur durch den Glauben an Ihn erworben werden; indem der Glaube Christum erfasst, ergreift und empfängt und geniesst er das Leben. «Wer den Sohn hat, hat das Leben» (1.Joh. 5,12). Von Seinen Schafen redend, sagt der Herr: «Ich gebe ihnen ewiges Leben» (Joh. 10,28). Dieses Leben, von göttlichem Wesen, ist ewig, unverderblich, völlig ausserhalb der Reichweite des Todes. Darum fügt der Herr hinzu: «und sie gehen nicht verloren ewiglich». In der Tat, weil dieses Leben in Christo ist, kann es den Schafen nicht genommen werden: Wenn sie verloren gingen, müsste Christus selbst verloren gegangen sein. Gewiss, wir mögen vielleicht berufen werden, durch den Tod zu gehen, aber das Leben, das wir in Christo besitzen, wird in keiner Weise davon berührt, denn es ist «verborgen mit dem Christus in Gott» (Kol. 3,3). Beim Kommen des Herrn wird das Leben, das der Tod nur für eine Zeit zu verhüllen und niemals zu vernichten vermochte, nach der Auferstehung oder der Verwandlung der Heiligen, bei ihrer Verherrlichung mit Christo in seiner Fülle offenbart werden.
Es ist ein Leben, das sowohl über den Tod, als auch über die Sünde triumphiert. Christus, der vollkommen heilig ist, ist unser Leben; Er kann den Seinen nur ein Leben mitteilen, das dem Seinen gleichförmig ist, das heisst ein unverderbliches, heiliges Leben, unerreichbar für die Unreinheit. Indem Er durch Seinen Sühnungstod allem entsprach, was die göttliche Gerechtigkeit hinsichtlich der Sünde des Menschen forderte, hat Christus «den Tod zunichte gemacht, aber Leben und Unverweslichkeit ans Licht gebracht durch das Evangelium» (2.Tim. 1,10). So ist Er in der Auferstehung das Leben und die Gerechtigkeit aller Sünder geworden, die an Ihn glauben. Satan, zum Schweigen gebracht, kann dieses Leben in keiner Weise angreifen, das in Christo unser Teil ist. Wir sind in der Herrlichkeit ebenso völlig einsgemacht mit unserem Heiland, wie Er sich mit uns einsgemacht hat auf dem Kreuze. Wir sind buchstäblich in Ihm, mit Ihm lebendig gemacht, eins mit Ihm; der Vater hat uns Ihm gegeben; wir sind in Seiner Hand. Darum sagt Er: «Niemand wird sie aus meiner Hand rauben.» Noch mehr, Er ist eins mit dem Vater in Seiner Liebe zu den Schafen, so dass auch niemand sie aus der Hand des Vaters rauben kann. Welche Macht vermöchte über die Macht Gottes zu triumphieren und uns aus Seiner Hand zu rauben?
Aber Christus lässt sich nicht daran genügen, uns das Leben zu geben: Er gibt es in Überfluss. «Ich bin gekommen, auf dass sie Leben haben und es in Überfluss haben» (Joh. 10,10). Die es empfangen, empfangen damit in Ihm «die Überschwänglichkeit der Gnade und der Gabe der Gerechtigkeit» (Röm. 5,17). Dieses Leben Christi bringt uns eine Überfülle von Segnungen durch die Macht des Heiligen Geistes. «Weil ich lebe, werdet auch ihr leben» (Joh. 14,19). Unser Leben ist für Zeit und Ewigkeit mit dem Seinigen verbunden. Wir leben aus Seinem Leben hienieden und werden aus Seinem Leben in der Herrlichkeit leben, wenn wir Ihm gleichförmig gemacht worden sind.
Also schon jetzt haben wir das Vorrecht, in der Kraft dieses Lebens zu wandeln, was praktisch nur verwirklicht werden kann, wenn wir uns von Christo, dem Brote des Lebens, nähren. «Ich bin das Brot des Lebens: wer zu mir kommt, wird nicht hungern und wer an mich glaubt, wird nimmermehr dürsten... Ich bin das lebendige Brot, das aus dem Himmel herniedergekommen ist; wenn jemand von diesem Brote isst, so wird er leben in Ewigkeit. Das Brot aber, das ich geben werde, ist mein Fleisch, welches ich geben werde für das Leben der Welt» (Joh. 6,35.51). Christus stellt sich hier zuerst als das aus dem Himmel herniedergekommene Brot vor - das Brot des Lebens, das lebendige Brot - dann aber als Der, welcher Sein Fleisch und Sein Blut gibt für das Leben der Welt. Durch Seine Fleischwerdung war Er als Sohn des Menschen vom Himmel herabgekommen, lebte inmitten der Menschen als das Brot des Lebens und teilte allen denen, die an Ihn glaubten, das Leben mit. Auf dem Kreuze hat Er Sein Fleisch gegeben und Sein Blut vergossen, so dass man, um das Leben zu haben, jetzt «Sein Fleisch essen und Sein Blut trinken», das heisst, an einen gestorbenen Christus glauben muss.
Als Brot vom Himmel ist Er von nun an die Speise dieses göttlichen Lebens. Wer sich von diesem lebendigen Brote nährt, wird nimmermehr hungern noch dürsten: seine in dieser Weise gestillte und gesättigte Seele hungert und dürstet nicht mehr nach den Dingen der Welt. Durch dieses Leben ist der Gläubige Teilhaber der göttlichen Natur geworden, «indem ihr entflohen seid dem Verderben, das in der Welt ist durch die Lust» (2.Petr. 1,4). Und dieses Leben ist uns im Worte Gottes offenbart worden. Es ist daher wichtig, dass wir uns davon nähren. Wir finden in 1.Könige 19 eine Illustration dieser Wahrheit: Elias in der Wüste musste zweimal essen vom «Kuchen, auf heissen Steinen gebacken», den der Engel ihm zubereitet hatte. So empfing er Kraft vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Horeb, dem Berge Gottes, zu wandern. Ohne diese göttliche Nahrung wäre er nie dort angelangt.
Als Jesus im Tempel lehrte, brachten die Schriftgelehrten und Pharisäer eine Frau zu Ihm, die sie beim Ehebruch ergriffen hatten. Sie meinten, Ihm damit eine Falle stellen zu können, aber der Herr macht ihnen ihre eigene Schuldhaftigkeit und die sittliche Finsternis kund, in der sie waren. Gegenüber dem «Lichte, das jeden Menschen erleuchtet», ziehen sie sich, einer nach dem andern, beschämt zurück, statt das göttliche Licht in sie eindringen zu lassen. Bei dieser Gelegenheit war es, dass der Herr Jesus die Worte aussprach: «Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben.»
Diese Erklärung zeugt wiederum von der Göttlichkeit Christi. Im Bewusstsein, sowohl das Licht als auch das Leben zu sein - denn «das Leben ist das Licht der Menschen» - stellt sich der verworfene und erniedrigte Sohn des Menschen als der Sohn Gottes vor, welcher das wahre Licht in die Welt bringt, das Licht des Lebens. «Aber die Menschen haben die Finsternis mehr geliebt als das Licht, denn ihre Werke waren böse» (Joh. 3,19). Jesus war nicht nur auf die Erde gekommen, um den Zustand des Menschen zu offenbaren, sondern auch, um dieses Licht-Leben mitten in den Schauplatz der Finsternis und des Todes zu bringen. Indem es die Welt verurteilte, brachte das Licht den Menschen das Leben, und Jesus war das Licht des Lebens für alle, die an Ihn glaubten. Nun waren sie fähig gemacht, Ihm nachzufolgen, denn im Lichte zu sein verpflichtet, darin zu wandeln. Alle Gläubigen haben das Vorrecht, das Licht des Lebens zu besitzen, um in dieser Welt der Finsternis zu wandeln. Hüten wir uns also davor, in unserem Leben irgendetwas von der Finsternis zu dulden, sondern wandeln wir als Kinder des Lichts! (Eph.5,8).
Unter den Titeln, die der Herr Jesus trägt, ist dieser wohl einer von denen, die am meisten zum Herzen sprechen, denn er bringt die Liebe und die zarte Fürsorge zum Ausdruck, die Er für Seine Schafe hat. In der Tat, Er hat Sein Leben für sie dargelegt, damit Er ihnen das ewige Leben in Überfluss geben könne.
Er ist der gute Hirte, weil Er für die Schafe Sein Leben lässt. Die Worte «Ich lasse mein Leben», bringen die Tatsache zum Ausdruck, dass Er sich für Seine Schafe freiwillig und völlig geopfert hat. Der Vater hat sie Ihm gegeben (V. 29), so dass sie Ihm angehören und Seinen teuersten Schatz darstellen. Er musste Sein Leben für sie darlegen, damit sie das Leben hätten. Sie waren Ihm so wertvoll, dass Er keine Rücksicht nahm auf Sein Leben: Er gab sich freiwillig für sie dahin und überwand am Kreuze Satan, den schrecklichen Wolf, der die Macht des Todes hatte (Hebr. 2,14.15).
Wie herzbewegend ist es, Ihn sagen zu hören: «Darum liebt mich der Vater, weil ich mein Leben lasse, auf dass ich es wieder nehme» (V. 17)! Durch Seinen Sühnungstod hat Er Seine Schafe nicht nur befreit und über Satan den Sieg errungen, sondern Er hat auch Gott vollkommen verherrlicht. Er, der Fürst des Lebens, musste in die Tiefen des Todes hinabsteigen, Er, der Heilige und Gerechte, wurde für uns zur Sünde gemacht und begegnete dem Gericht Gottes. Da wurde die unendliche Vollkommenheit Seines Gehorsams und Seiner Liebe zum Vater sichtbar. «Darum liebt mich der Vater.» Welch ein Beweggrund für die Liebe des Vaters zu Seinem Sohn: Die Hingabe Seiner selbst «als Darbringung und Schlachtopfer, Gott zu einem duftenden Wohlgeruch» (Eph. 5,2).
Aber die Liebe des guten Hirten zu Seinen Schafen zeigt sich auch in der zärtlichen Fürsorge, womit Er sie umgibt. Nachdem Er Sein Leben für sie gelassen hat, beschäftigt Er sich mit ihnen; Er nährt sie, führt sie, schützt sie; Er kennt jedes persönlich, macht sich ihnen kund und führt sie in die Beziehung ein, die Er zu Seinem Vater hat; schliesslich gibt Er ihnen auch die kostbare Zuversicht, dass sie nie verderben werden und dass niemand sie aus Seiner Hand rauben wird. Der Herr Jesus wiederholt ein zweites Mal: «Ich bin der gute Hirte», im Zusammenhang mit der Tatsache, dass Er die Seinen kennt und von ihnen gekannt ist, «gleichwie der Vater mich kennt und ich den Vater kenne» (V. 14 und 15). In der Tat, der gute Hirte und Seine Schafe kennen sich gegenseitig, und diese Beziehung ist in ihrem Wesen und in ihrem Mass dieselbe wie die, welche den Vater und den Sohn verbindet. Sie ist also vollkommen und unzerstörbar. Solcher Art ist die Vertrautheit, die wir mit Christo geniessen. So wie Er uns durch Seinen Sühnungstod das ewige Leben erworben hat (V. 11), so entspringt auch unser Genuss einer vollkommenen Gemeinschaft mit Ihm dem Werke des Kreuzes (V. 15). Einmal mehr stellt uns das Wort den unendlichen Wert des Blutes Christi vor Augen, als der Grundlage aller unserer gegenwärtigen und ewigen Segnungen. Können wir uns ein herrlicheres Teil wünschen?
Die Schafe, welche die Wonne einer solchen vertrauten Beziehung mit dem guten Hirten schmecken, kennen Seine Stimme und folgen Ihm (V. 4 und 27). Er geht vor ihnen her und sie finden Weide. So unverständig sie sein mögen, so wissen sie doch inmitten der Verwirrung der zahllosen Stimmen, die an ihr Ohr dringen, die Stimme des guten Hirten zu unterscheiden. Und dies genügt ihnen: Sie folgen dieser einzigen bekannten Stimme, der Quelle der Freude, des Friedens und der Sicherheit. Jede andere Stimme erweckt Misstrauen in ihnen. «Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme der Fremden nicht kennen» (V. 5). So werden wir vor dem Abirren bewahrt: Folgen wir dem Herrn Jesus, indem wir auf Seine Stimme hören, so werden wir immer den Weg erkennen können, den wir zu wandeln haben. Wenn wir uns nahe bei Ihm aufhalten und unsere Augen auf Ihn richten, werden wir nicht verfehlen, Seine Stimme immer zu vernehmen. Und wenn es vorkommt, dass Er schweigt, sollen wir stille halten. «Was den Christen kennzeichnet, ist dies, dass er auf die Stimme Christi hört, auch in allen Nöten, Trübsalen, Schwierigkeiten und Verlegenheiten. Die Stimme Christi hat eine absolute Autorität und Macht über ihn.» (J. N. D.)
Die gegenseitige Beziehung, die Christum und Seine Schafe verbindet, hat einen persönlichen Charakter, obwohl sie eine Herde bilden. Der gute Hirte trägt nicht nur Sorge für die Herde, in ihrer Gesamtheit, sondern auch für jedes Schaf, denn jedes von ihnen hat besondere Bedürfnisse und ist berufen, durch persönliche Umstände hindurchzugehen. «Er ruft seine eigenen Schafe mit Namen» (V. 3). Auch Hesekiel 34 zeigt, wie der Hirte jedes Schaf mit Seiner Pflege umgibt: «Das Verlorene will ich suchen und das Versprengte zurückführen, und das Verwundete will ich verbinden, und das Kranke will ich stärken» (V. 16). Die Auserwählung und Berufung sind dem Wesen nach individuell: «Folge mir nach...» «Folge du mir nach» (Luk. 5,27; Joh. 21,19 und 22). Zahlreich sind die Stellen, die sich an den Einzelnen richten: Jeder, wer irgend, wenn jemand... [Die «Haus»- Bekehrungen, von denen in der Apostelgeschichte berichtet wird, stossen diesen Grundsatz nicht um. Auch dort ist jedes Glied der Familie persönlich dem Beispiel des Hauptes gefolgt und hat, wie dieses, an den Herrn geglaubt (Apg. 16,15.34; 18,8). Da ist nicht die Rede von einem gemeinsamen Heil, unabhängig von der Haltung jedes Familien-Gliedes.] Jeder von uns kann die Verheissung in Jesaja 43,1 auf sich anwenden: «Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.» So rief der Herr auch Maria Magdalene zu: «Maria!» Die Kostbarkeit dieser wohlbekannten Stimme liess ihr Herz vor Freude jubeln: «Rabbuni!»
Diese persönliche Beziehung und persönliche Liebe, die den guten Hirten mit jedem Seiner Schafe verbinden, sind gegenseitig: «Ich kenne die Meinen und bin gekannt von den Meinen» (V. 14). Der Prophet Nahum sagt: «Jehova ist gütig, er ist eine Feste am Tage der Drangsal; und er kennt die, welche auf ihn vertrauen» (1,7). Welche Stärkung inmitten der Prüfung, zu wissen, dass der gute Hirte uns persönlich kennt, sowie auch unsere individuellen Übungen; welche Stärkung ist es aber auch, Ihn als unseren guten Hirten zu erkennen, zu Dem wir fliehen können mit der Gewissheit, dass Seine Liebe und Seine Macht uns nicht fehlen werden! Noch mehr, wir erkennen Ihn als Den, der unser Leben ist, ein Leben, das über den Tod triumphiert hat. Wir sind mitlebendig gemacht und mitauferweckt mit Ihm. Wir haben Teil an einem auferstandenen Christus. Lasst uns durch den Glauben diese herrlichen Vorrechte völlig ergreifen und durch die Kraft des Heiligen Geistes immer mehr geniessen!
«Jesus sprach nun wiederum zu ihnen: Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Ich bin die Tür der Schafe... Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich eingeht, so wird er errettet werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden» (Joh. 10,7.9). Das Bild der Türe, das der Herr an dieser Stelle gebraucht, hat eine doppelte Bedeutung.
Einerseits hebt sie die Tatsache hervor, dass Er durch die Tür in den jüdischen Schafhof eingegangen ist (V. 2) - das heisst auf dem Wege, den Gott Ihm vorgezeichnet hat - um sieh den Schafen, die sieh darin befanden, als ihr Hirte zu offenbaren und sie herauszuführen, indem Er vor ihnen herging. «Die Schafe hören seine Stimme, und er ruft seine eigenen Schafe mit Namen und führt sie heraus. Wenn er seine eigenen Schafe alle herausgebracht hat, geht er vor ihnen her, und die Schafe folgen ihm, weil sie seine Stimme kennen» (V. 3,4). Christus war also die Tür, durch die Er die Juden, die an Ihn glauben würden, aus dem irdischen Schafhofe herausbringen und sie in eine neue Haushaltung, in die der Gnade, einführen würde. Gingen sie durch diese Türe, würden sie auch in einen ganz neuen Bereich eintreten, wo sie, geführt durch den guten Hirten, der vor ihnen herging, durch den Glauben das Heil und die Freiheit anstatt der Knechtschaft des Gesetzes finden würden, wie auch die Speise, die ihnen das Brot des Lebens brachte.
Aber diese Türe ist auch für uns da. «Wenn jemand durch mich eingeht, so wird er errettet werden» (V. 9). Gott sei gelobt! Die Türe ist allen denen geöffnet, die an den Herrn Jesus glauben und so Seine geliebten Schafe geworden sind. Als solche können sie durch Ihn «eingehen» und teilhaben an den Segnungen, die aus der Erlösung hervorgehen, ob sie Juden oder Heiden seien. «Wenn jemand durch mich eingeht, so wird er errettet werden.» Das umschliesst die Befreiung von der Verdammung, die Vergebung der Sünden, die Gabe des ewigen Lebens, die Stellung eines Kindes Gottes, alles auf Grund der vollkommenen Annahme Christi selbst, die Hoffnung der Herrlichkeit. Niemand kann durch die «Türe» eingehen, ohne errettet zu sein. Und niemand kann errettet werden, ohne durch sie einzugehen, «denn auch kein anderer Name ist unter dem Himmel, der unter den Menschen gegeben ist, in welchem wir errettet werden müssen» (Apg. 4,12).
Dann wird der Errettete ein- und ausgehen: Das bedeutet vollkommene Freiheit in Christo. «Für die Freiheit hat Christus uns freigemacht... Denn ihr seid zur Freiheit berufen worden, Bruder» (Gal. 5,1. 13). Das ist nicht eine Freiheit, um seinen eigenen Willen zu tun - was nichts anderes als die Knechtschaft des Teufels wäre -, sondern das Vorrecht, den Willen des Herrn zu tun, indem man in wahrer Hingabe des Herzens Ihm dient. Dies ist «das vollkommene Gesetz, das der Freiheit», welches den, der sich Ihm unterwirft, in einen «Täter des Werkes» verwandelt (Jak. 1,25). Die christliche Freiheit kommt aus dem neuen Leben hervor, das seine Freude darin findet, den Willen Gottes zu tun. Christus versetzt die, welche durch Ihn eingehen, in die Freiheit, indem Er sie vom Joche des Gesetzes, der Sünde, der Welt und des Satans befreit.
Die durch die Türe eingehen, werden schliesslich auch Weide finden, das heisst, die göttliche Speise, deren ihre Seelen bedürfen: Christus selbst, das Brot Gottes, offenbart im Worte, dieses himmlische Manna, welches das Leben des neuen Menschen stärkt, und alles, was Gott uns zum Unterhalt unserer Seelen gegeben hat. Diese Speise findet sich im Überfluss auf den grünen Weiden, auf die der gute Hirte Seine geliebten Schafe zu führen wünscht.
Als der Herr Jesus den Jüngern Seinen Weggang ankündigte, um in das Haus Seines Vaters zurückzukehren, sagte Er ihnen: «Und wo ich hingehe, wisset ihr und den Weg wisset ihr» (Joh. 14,4). Von der Unwissenheit der Jünger, deren Sprachrohr Thomas war, sprach dann der Herr dieses unvergessliche Wort aus: «Ich bin der Weg.»
Der Mensch, der sich durch seinen Ungehorsam von Gott entfernt hat, ist durch eigene Anstrengungen nie dazu gelangt, einen Weg zu finden, der ihn bis zu Ihm geführt hätte. Sein Suchen nach dem Paradies, das er verloren hat, ist nichts anderes als ein unaufhörliches und verzweifeltes Umherirren. «Wir alle irrten umher wie Schafe, wir wandten uns ein jeder auf seinen Weg» (Jes. 53,6). «Gott aber, der reich ist an Barmherzigkeit, wegen seiner vielen Liebe, womit er uns geliebt hat», erbarmte sich unseres Elends und hat sich uns in Christo genaht. Und jetzt hört der verirrte Sünder, der in der Nacht umhertastet, aber nach Licht und Heil dürstet, eine Stimme voller Liebe zu ihm sagen: «Ich bin der Weg» - der wahre, der einzige Weg.
Auf diesem Wege kann der Sünder ohne Furcht Gott nahen und Ihn als seinen Vater kennen lernen. Er empfängt den Geist der Sohnschaft, in welchem er ruft: «Abba, Vater.» «So viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben» (Joh. 1,12). Christus allein ist der Weg, der zu Gott führt, «denn es hat ja Christus einmal für Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten, auf dass er uns zu Gott führe» (1.Petr. 3,18).
«Jetzt aber, in Christo Jesu, seid ihr, die ihr einst ferne waret, durch das Blut des Christus nahe geworden» (Eph. 2,13). In Christo in eine solche Nähe Gottes eingeführt, sind wir eingeladen, tatsächlich hinzuzutreten «mit wahrhaftigem Herzen, in voller Gewissheit des Glaubens, die Herzen besprengt und also gereinigt vom bösen Gewissen und den Leib gewaschen mit reinem Wasser» (Hebr. 10,22).
So ist also Christus der Weg, um zum Vater zu kommen, ein Weg, der - wie man gesagt hat - «den, der an Ihn glaubt und Ihm vertraut, bis zum Vater trägt». Dies ist, genau genommen, nicht der Weg, um in den Himmel zu gehen - obwohl auch dies wahr ist - sondern der Weg, auf welchem der Mensch, in Ihm, in das Haus des Vaters eingeführt werden kann. Daher, um zu wissen, wo der Herr Jesus hinging, musste man zuerst Ihn, den Weg, erkennen. Weder Mose noch die Propheten hatten Gott als den Vater offenbart. Einzig «der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoss ist», hat es getan, und nicht nur das, Er hat auch kundgemacht, dass Er der einzige Weg ist, auf welchem der Sünder zum Vater kommen kann. «Niemand kommt zum Vater als nur durch mich.» Indem er Christum im Glauben als seinen Heiland annimmt, «kommt er zum Vater», den Christus vollkommen offenbart hat. In Seinem Gebet, in Johannes 17, kann Er sagen: «Ich habe deinen Namen, (das heisst Gott, den Vater), offenbart den Menschen, die du mir aus der Welt gegeben hast ... und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun (durch den Heiligen Geist), auf dass die Liebe, womit du mich geliebt hast, in ihnen sei und ich in ihnen» (V. 6 und 26). Unser gegenwärtiges Vorrecht besteht nun darin, die Liebe zu kosten, die aus unserer Kindesbeziehung zu Gott, unserem Vater, in Jesu hervorfliesst, in Erwartung der Herrlichkeit, in welcher wir sie in vollkommener Weise geniessen werden. Doch schon jetzt ist Christus in uns der Bürge unserer Stellung vor Gott und unserer Beziehung zu Ihm. Er ist der Weg, auf welchem wir zum Vater gekommen sind, so dass «weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch Gewalten, weder Höhe noch Tiefe, noch irgendein anderes Geschöpf uns zu scheiden vermögen wird von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unserem Herrn.»
Wenn der Mensch in seinem natürlichen Zustand unfähig ist, durch eigene Anstrengungen den Weg zu finden, der zu Gott führt, so ist er ebenso wenig in der Lage, die Wahrheit zu erkennen. Er kann es umso weniger, als er ein Sklave des «Vaters der Lüge» ist (Joh. 8,44).
Doch hat uns Gott in Seiner Gnade in Christo die Gabe der Wahrheit gegeben, die vollkommene Offenbarung dessen, was Er ist, und Seiner Gedanken über alle Dinge. «Die Wahrheit ist im Herrn Jesu» (Eph. 4,21). Daher konnte der Herr Jesus sagen: «Ich bin ... die Wahrheit.» So wie Christus der einzige Weg ist, auf welchem wir Gott nahen können, so können wir auch den Vater nicht anders erkennen, als nur in Ihm.
Während Seines Dienstes hienieden hat der Herr nicht aufgehört, der Wahrheit Zeugnis zu geben, trotz des Widerstandes Seiner Widersacher (Joh. 18,37). In Seinen Worten und in Seinen Werken, aber auch in dem, was Er in sich selbst war, machte Er die Wahrheit kund, die Er von Gott gehört hatte (Joh. 8,40). Als die Juden Ihn fragten: «Wer bist du?», antwortete Er ihnen: «Durchaus das, was ich auch zu euch rede» (V. 25). Weil Er die Wahrheit war, offenbarten Seine Worte in absoluter Weise, was Er in Seinem Wesen war. Annehmen, was Er sagte( bedeutete zu erkennen, was Er war. Deshalb hören wir Ihn, im Johannesevangelium, mehrmals wiederholen: «Wahrlich, wahrlich, ich sage euch.» Denen, die an Ihn glaubten, sagte Er: «Wenn ihr in meinem Worte bleibet, so seid ihr wahrhaft meine Jünger; und ihr werdet die Wahrheit erkennen» (V. 31). Der wahre Jünger verharrt im Worte des Herrn, und die Erkenntnis kommt durch die Gemeinschaft mit Ihm. Das Geheimnis der Glückseligkeit besteht darin, fortwährend vor dem Herrn zu sein und zu Seinen Füssen zu bleiben, um auf Sein Wort zu hören.
Die Wahrheit ist der Ausdruck der Wirklichkeit, so wie Gott sie sieht. Gott ist also die Quelle der Wahrheit. «Der mich gesandt hat, ist wahrhaftig»( sagt der Herr Jesus (V. 26). Gott offenbart uns die Wahrheit
- in Christo: «Ich bin die Wahrheit» (Joh. 14,6)
- in Seinem Worte: «Dein Wort ist Wahrheit» (Joh. 17,17)
- durch den Heiligen Geist: «Der Geist ist die Wahrheit» (1.Joh. 5,6)
In Christo hat uns Gott Seine Gerechtigkeit, Seine Heiligkeit, Seine Macht, Seine Herrlichkeit, Seine Majestät, Seine Liebe, Seine Gnade kundgemacht. Christus ist hienieden das gewesen, was Er von Ewigkeit her war: das Bild des unsichtbaren Gottes, der Abglanz Seiner Herrlichkeit, der Abdruck Seines Wesens, und in Ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig. Aber in Ihm, dem vollkommenen Menschen erkennen wir auch die Wahrheit in Bezug auf den Wandel. Heiligkeit, Licht, Gerechtigkeit, Gehorsam, Abhängigkeit, Demut, Freude, Frieden, tätige Liebe und Gnade - Christus hat eine Fülle von Vollkommenheiten offenbart, die Gott völlig verherrlicht und das Herz des Vaters erfreut haben. Darum hören wir diesen zweimal ausrufen: «Dieser ist mein geliebter Sohn, an welchem ich Wohlgefallen gefunden habe.»
Im Worte finden wir Christum selbst, die Wahrheit. Die Seele, die sich Seiner Wirksamkeit demütig unterwirft, macht Fortschritte in der Heiligung. In Seinem hohenpriesterlichen Gebet richtet der Herr Jesus die Bitte an Gott, die Seinigen durch die Wahrheit zu heiligen, und Er fügt hinzu: «Dein Wort ist Wahrheit.» Nur die fortwährende Anwendung dieses Wortes auf uns selbst und auf alle unsere Handlungen kann uns vor dem Bösen bewahren und aus uns «Gefässe zur Ehre, ... geheiligt, nützlich dem Hausherrn, zu jedem guten Werke bereit» machen. Daher ist der Gehorsam gegenüber dem Worte die Bedingung für unser ganzes christliches Leben.
Schliesslich ist der Geist die Wahrheit; Er ist der Geist der Wahrheit, der uns «in die ganze Wahrheit leitet». Er gibt Christo Zeugnis, dem verherrlichten Menschen zur Rechten Gottes. Er nimmt, was Christi ist und teilt es uns mit. Er entfaltet vor uns die himmlischen Herrlichkeiten Christi und verherrlicht Ihn auf diese Weise.
Reich an solchen Gnaden, werden wir den heiligen Wunsch haben, in der Erkenntnis Christi, in der Wahrheit zu wachsen, aber auch «in ihm zu wandeln».
In Adam wurde alles verdorben, in Christo aber hat Gott alles wiederhergestellt. Als Mensch begann Christus von neuem die Geschichte des Menschen auf der Erde und eröffnete eine neue Haushaltung, die an die Stelle des Zeitalters des Gesetzes tritt. Ein neues Zeugnis - das christliche Zeugnis - ersetzt dasjenige Israels, das sich auf die Zugehörigkeit zum Samen Abrahams und auf das durch Moses gegebene Gesetz stützte.
Christus, der wahre Weinstock, nimmt auf der Erde den Platz Israels ein, des Weinstocks, den Jehova aus Ägypten gezogen hat (Ps. 80,8; Hos. 11,1). «Ich bin der wahre Weinstock», sagt Er, «und mein Vater ist der Weingärtner... Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben» (Joh. 15,1.5). Alle, welche zum christlichen Bekenntnis gehören, sind Reben des wahren Weinstockes. Aber darunter gibt es Reben, die nur der Form nach mit Ihm verbunden sind. Sie haben nur das Bekenntnis, aber kein Leben, so dass sie keine Frucht zu bringen vermögen. Sie «bleiben» nicht in Christo und werden das Gericht erleiden, das in den Versen 2 und 6 von Johannes 15 beschrieben ist. Im Gegensatz dazu bringen die, welche mit dem Weinstock in lebendiger Verbindung stehen, Frucht und der Vater «reinigt» sie, damit sie mehr Frucht, viel Frucht bringen.
Christus, der wahre Weinstock, ist also die Quelle der Frucht, dieser «Frucht der Gerechtigkeit, die durch Jesum Christum ist, zur Herrlichkeit und zum Preise Gottes» (Phil. 1,11). Aber es sind die Reben, die die Frucht tragen, sofern sie einen zum Weinstock gehörenden Teil bilden. Sie könnten auf keinen Fall selber Frucht bringen. «Ausser mir könnt ihr nichts tun.» Sie müssen den Saft empfangen, der aus dem Weinstock kommt. Das blosse Bekenntnis ist eitel; sich nur Christ nennen, gibt nicht das ewige Leben. Aber wenn die Rebe in Lebensverbindung mit Christo steht, dem wahren Weinstock, gibt sie Frucht, so schwach und unwissend die Rebe auch sein mag. Dann wird der Vater, der Weingärtner, durch Seine Züchtigung in Gnade dazwischentreten, um die Rebe dazu zu bringen, immer mehr Frucht zu tragen. «Unsere Väter nach dem Fleische... züchtigten uns ... nach ihrem Gutdünken ... Er aber zum Nutzen, damit wir seiner Heiligkeit teilhaftig werden.» Die Züchtigung bringt «die friedsame Frucht der Gerechtigkeit» hervor (Hebr. 12,9-11).
Das Leben zeigt sich durch Frucht. Aber, sagt der Herr Jesus, «gleichwie die Rebe nicht von sich selbst Frucht bringen kann, sie bleibe denn am Weinstock, also auch ihr nicht, ihr bleibet denn in mir» (V. 4). In Christo bleiben heisst, mit Ihm verbunden bleiben, wie die Rebe vom Weinstock abhängt und mit ihm eine einzige Pflanze bildet. Es bedeutet, eine Gemeinschaft mit Christo geniessen, die so dauernd und so wirklich ist, dass alle unsere Gedanken, unsere Worte und unsere Handlungen Ausdruck Seines Willens sind, so dass keine Handlung der Unabhängigkeit den Zufluss des Sattes in die Rebe unterbrechen kann. Es braucht wenig dazu, dass eine Pflanze welkt. So wird auch das geringste Hindernis zwischen Christo und unserer Seele unser geistliches Wachstum aufhalten und uns zur Unfruchtbarkeit verurteilen.
In Christo bleiben heisst auch, sich von Ihm nähren, sich mit Ihm beschäftigen, die Hilfsquellen gebrauchen, die Er zu unserer Verfügung stellt - besonders das Wort und das Gebet -, damit wir in der Erkenntnis Seiner Person wachsen; es bedeutet von Seinem Leben leben und in Seinen Fussspuren wandeln. Dann wird Er in uns gesehen werden, denn die Frucht der Rebe ist nichts anderes als die des Weinstocks: Diese Frucht wird wie ein Widerschein der Vollkommenheiten sein, die Christus zur Verherrlichung Seines Vaters hienieden offenbart hat. Niemand kann in Gemeinschaft mit Christo leben, ohne auch Christo zu gleichen: Gehorsam, Abhängigkeit, Sanftmut, Güte, Demut, Geduld, Langmut, Barmherzigkeit, Liebe, Heiligkeit, werden die Früchte sein im Leben des Gläubigen, der in Christo bleibt. Es kann nicht anders sein.
Aber dies ist niemals das Ergebnis unserer eigenen Anstrengungen. Wie jemand geschrieben hat: Nicht durch unaufhörliche Anstrengung, Licht und Sonne zu empfangen, bringt die Rebe Frucht. Nur indem sie mit dem Weinstock verbunden bleibt, in einer stillen und friedvollen Verbindung, werden Blüten und Früchte erscheinen, wie durch ein freies Wachstum. So genügt es auch, dass der Gläubige sich völlig dem Herrn hingibt, seine Blicke, Gedanken und Zuneigungen auf Ihn richtet, um Seine Gnade zu erlangen. Bleiben wir also in Ihm, im Genusse unserer Verbindung mit Ihm. Sein Leben, das unser Leben ist, wird uns dann ganz durchdringen, wie der Saft vom Weinstock bis zu den äussersten Enden der Rebe fliesst. Das Leben des Einen ist das Leben des anderen, so sehr, dass man diese beiden Leben nicht mehr unterscheiden kann. Der Herr hat nicht gesagt: «Bleibet bei mir», sondern: «Bleibet in mir.» Er will, dass wir an Seinem Leben völlig teilhaben. Er gibt und nährt uns von Seinem Saft, wie der Weinstock es mit den Reben tut. Von Ihm allein ist unser Wachstum abhängig, wie auch unsere Frucht. Diese Wirklichkeit im Glauben ergreifen, befähigt uns, Frucht, mehr Frucht, viel Frucht, bleibende Frucht zu tragen.
Das Wichtigste ist also nicht, uns zur Tätigkeit anzustrengen, sondern in Christo zu bleiben.
Mit Ihm persönlich haben wir es zu tun. Ihn haben wir nötig. Er selbst lädt uns ein, nicht nur von den Gnaden Gebrauch zu machen, die Er uns mitteilen will, sondern Ihn, Ihn selbst anzunehmen. «Kommet zu mir.» «Bleibet in mir.» «Lernet von mir.» Damit sagt Er uns gleichsam: «Euer Herz sei mit mir beschäftigt. Nährt euch von mir. Lasst uns, du und ich, nicht mehr zwei, sondern eins sein.»
So werden wir Frucht tragen, der Vater wird verherrlicht und wir selbst werden wahre Jünger Christi sein.
Welch ein Trost für den Gläubigen, den Fürsten des Lebens angesichts des Todes ausrufen zu hören: «Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt wird leben, auch wenn er gestorben ist; und jeder, der da lebt und an mich glaubt, wird nicht sterben in Ewigkeit» (Joh. 11,25 und 26)! Kein Wort der Schrift bringt die unumschränkte Macht des Herrn Jesus über den Tod, den Lohn der Sünde, klarer zum Ausdruck.
Gott hatte zu Adam gesagt: «Von dem Baume der Erkenntnis des Guten und Bösen, davon sollst du nicht essen; denn welches Tages du davon issest, wirst du gewisslich sterben» (1.Mose 2,17). Der Mensch zog es vor, auf den Teufel zu hören und ass von der Frucht des Baumes. So ist «die Sünde in die Welt gekommen, und durch die Sünde der Tod, und also der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben» (Röm. 5,12). Aber Christus ist gekommen, um die Macht Satans zu vernichten. «Er hat durch den Tod den zunichte gemacht, der die Macht des Todes hat, das ist den Teufel» (Hebr. 2,14).
So schrecklich «die Macht des Todes» auch sein mag, so ist die Macht Christi doch unendlich erhaben über die des Feindes, denn Er ist Gottes Sohn. Um jedoch Satan und den Tod zu besiegen, musste Er in das Gebiet des Feindes eindringen und selbst «in den Staub des Todes» hinabsteigen (Ps. 22,15). So singen wir:
O Herr, in welche Leidensnot
Bist du für uns gekommen,
Als du dem Starken durch den Tod
Die Todesmacht genommen.
«Durch den Tod» hat er den entmachtet, der die Macht des Todes hatte. Er bestätigt dies dem Apostel Johannes im Gesicht von Patmos: «Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige, und ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und des Hades» (Offb. 1,18). Er vernichtete den Feind und bemächtigte sich der «Schlüssel des Todes und des Hades», die Satan seit dem Fall Adams besass.
Anderseits musste die Gerechtigkeit Gottes befriedigt 357 werden. Denn «der Lohn der Sünde ist der Tod» (Röm. 6,23). Der sündige Mensch hätte diesen schrecklichen Lohn empfangen sollen. Um uns aber vom ewigen Tod zu befreien, hat sich unser göttlicher Stellvertreter mit unseren Sünden beladen und sie durch Sein Blut gesühnt. «Denn es hat ja Christus einmal für Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten» (1.Petr. 3,18). Er hat an unserer Stelle den Lohn empfangen, den wir verdienten, also den Tod. So hat Christus durch das Werk des Kreuzes die Forderungen der Gerechtigkeit und Heiligkeit Gottes erfüllt. Darum hat Ihn Gott aus den Toten auferweckt und Ihn zu Seiner Rechten mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt. Durch den Glauben an dieses Werk haben wir an dem Siege Christi teil: Er ist unsere Gerechtigkeit, unsere Heiligkeit, unser Leben geworden.
Die Verwandlung der Lebendigen und die Auferweckung der Toten in Christo werden die unendliche Macht des göttlichen Lebens sichtbar machen, das die Gläubigen schon jetzt hienieden besitzen, obwohl es noch nicht völlig offenbart ist. «Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes, und es ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden; wir wissen, dass, wenn es offenbar werden wird, wir ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist» (1.Joh. 3,2). Dieses überaus kostbare Teil entspringt unserer Vereinigung mit Christo, und der Heilige Geist ist der Bürge dafür. «Wenn aber der Geist dessen, der Jesum aus den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christum aus den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen wegen seines in euch wohnenden Geistes» (Röm. 8,11).
Alle, die durch den Glauben Christum als ihr Leben besitzen, haben die Gewissheit der Auferstehung und des ewigen Lebens, denn weder Satan noch Tod haben Macht über ein solches Leben. Wohl kann der Tod unserem irdischen Leben noch ein Ende setzen, aber wenn Christus kommen wird, offenbart Er Seine Macht der Auferstehung und des Lebens, indem Er unsere Leiber zum Leben erweckt, die dann Unverweslichkeit und Unsterblichkeit anziehen werden. Hinsichtlich unserer Seelen schon jetzt lebendig gemacht, werden wir es dann auch bezüglich unseres Leibes sein, indem die Macht des Todes durch die Gegenwart des Fürsten des Lebens endgültig vernichtet sein wird. Wäre es nicht so, so wäre Sein Sieg über den Tod nicht vollständig. «Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus!» (1.Kor. 15,57). Der Leib des Menschen ist ebenso sehr ein Bestandteil von ihm wie seine Seele. Die Sünde ist es, die durch den Tod die Trennung der Seele und des Geistes vom Leibe hervorruft. Würde der Leib nicht auferstehen, bliebe der Erlöste in einem Teil seines Wesens den Folgen der Sünde unterworfen. Gott hat den Menschen als ein Ganzes erschaffen - Geist, Seele und Leib - und als ein Ganzes hat Er ihn erlösen wollen. Bezöge sich die Erlösung nur auf unseren Geist und auf unsere Seele, so wäre sie nur eine Teilerlösung. Aber Gott lässt nicht die Werke Seiner Hände (Ps. 138,8): Die Erlösung wird vollständig sein und der Tod völlig vom Sieg verschlungen werden.
In Bezug auf unseren Leib «in Hoffnung errettet», «seufzen wir in uns selbst, erwartend die Sohnschaft: die Erlösung unseres Leibes», der jetzt noch sterblich und verweslich ist. Der Tag ist nahe, an dem sich diese Hoffnung erfüllt und an dem der Herr «unseren Leib der Niedrigkeit umgestalten wird zur Gleichförmigkeit mit seinem Leibe der Herrlichkeit». Befreit von «diesem irdischen Hause, in welchem wir seufzen», weil es so oft unseren Genuss der geistlichen Dinge verhindert, werden wir «das Bild des Himmlischen tragen» (Röm. 8,23; Phil. 3,21; 2.Kor. 5,2; 1.Kor. 15,49). Beachten wir wohl, dass gesagt wird: «Er wird umgestalten» und «wir werden alle verwandelt werden»: Unser zukünftiger geistiger Leib steht in Beziehung zu unserem gegenwärtigen Leib, wie die Pflanze zum Samen oder der Schmetterling zu seiner Puppe. Die leibliche Auferstehung des Herrn Jesus unterstreicht diese Wahrheit mit aller Kraft. Das Wort Gottes redet von einer Auferstehung der Leiber, die in den Gräbern sind. «Es kommt die Stunde, in welcher alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören und hervorkommen werden» (Joh. 5,28). Es ist «der Leib unserer Niedrigkeit», der umgestaltet (Phil. 3,21), lebendig gemacht wird (Röm. 8,11); er, der in Verwesung gesät wurde, ist es, der in Unverweslichkeit auferweckt wird, und er, der als ein natürlicher Leib gesät wurde, wird als ein geistiger Leib auferweckt werden (1.Kor. 15,42-44). Obwohl er der alten Schöpfung angehört, ist er doch der Same des kommenden Leibes der Herrlichkeit, welcher zur neuen Schöpfung gehört. Alsdann nach Seele und Leib von der Macht des Todes befreit, werden wir unserem verherrlichten Erlöser auf ewig gleichförmig gemacht sein.
Unter den Wesenszügen Gottes stellt das Wort mit besonderer Kraft Sein ewiges Bestehen und Seine Unveränderlichkeit in den Vordergrund. «Ich bin, der da ist, ich, der Erste, ich, auch der Letzte» (Jes. 48,12).
«Ich bin Jehova, das ist mein Name, und meine Ehre gebe ich keinem anderen» (42,8). Sein Name, der Sein Wesen offenbart und kennzeichnet, ist «Jehova» oder «Jahwe» - der Ewigseiende, in sich selbst unveränderlich von Ewigkeit zu Ewigkeit (siehe auch 5.Mose 32,39, Ps. 102,27, Jes. 41,4; 43,10.13). in der Offenbarung nennt sich Gott «das Alpha und das Omega... der da war, und der da ist und der da kommt, der Allmächtige... der Anfang und das Ende» (1,8; 4,8; 21,6). Er ist der Erste und der Letzte, das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende von allen Dingen. In allen diesen Offenbarungen zeigt Er sich immer als Derselbe, der in sich selbst immer gleich ist, daher ist Er von unerschütterlicher Treue. Er bleibt in Übereinstimmung mit sich selbst. Keine Macht vermag Seine Unveränderlichkeit oder Seine Erhabenheit anzutasten. Weder die Vergangenheit noch die Zukunft entrinnen Seiner Macht und Seinem Wissen. Er steht ausserhalb der Zeit, über der Zeit. Er ist «der König der Zeitalter» (1.Tim. 1,17), «der ewige Gott» (1.Mose 21,33, Jes. 40,28), «ein ewiger König» (Jer. 10,10). «Von Ewigkeit zu Ewigkeit bist du Gott» (Ps. 90,2).
Nun aber wenden gewisse Stellen der Schrift fast die genau gleichen Begriffe auf den Herrn Jesus an. Er stellt sich selbst dem Apostel Johannes mit den Worten vor: «Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende» (Offb. 22,13, siehe auch 1,17). Diese Übereinstimmung des Ausdrucks widerspiegelt die Übereinstimmung der Natur: Der Sohn ist Gott wie der Vater, obwohl vom Vater unterschieden. Der, welcher das Alpha, der Erste, der Anfang ist, muss notwendigerweise Gott sein, und als solcher ist Er auch das Omega, der Letzte, das Ende. Diese herrlichen Offenbarungen finden wir auch am Anfang des Johannes-Evangeliums: «Im Anfang war das Wort (also «der Erste», wie Gott der Vater, bestehend von Ewigkeit her), und das Wort war bei Gott (also unterschieden von Gott), und das Wort war Gott (der Sohn besitzt von aller Ewigkeit an dasselbe Wesen und dieselben Eigenschaften wie Gott, die Fülle der Gottheit). Dieses war im Anfang bei Gott.»
In Seiner Menschengestalt - die Er auf ewig beibehält - hört Christus nicht auf, das Wesen und die Eigenschaften der Gottheit zu besitzen. Darum ist Er, wie Gott, unveränderlich (derselbe) und ewig (der Erste und der Letzte). «Jesus Christus ist derselbe, gestern und heute und in Ewigkeit» (Hebr. 13,8). Er ist Derselbe in Seiner Liebe, in Seiner Treue und in Seiner Macht. Was Er in der Vergangenheit für die entschlafenen Heiligen gewesen ist, ist Er heute auch für uns. Was Er heute ist, wird Er auch während der Ewigkeit sein, in der unsere Herzen von Seiner herrlichen Person erfüllt sein werden. Daher werfen sich unsere Seelen schon jetzt vor Ihm nieder und beten Ihn an. «Er ist dein Herr: so huldige ihm» (Ps. 45,11).
Als das Alpha, der Anfang, ist Er «vor allen» (Dingen) (Kol. 1,17). Diese Stelle bringt nicht nur Sein Vorherbestehen zum Ausdruck, sondern auch die Beständigkeit Seines Wesens: «Er ist vor allen.» Er ist der «Ich bin» der ewigen Gottheit. «Ich war eingesetzt von Ewigkeit her», sagt die Weisheit, «von Anbeginn, vor den Uranfängen der Erde» (Spr. 8,22-31). Er ist der Schöpfer (Kol. 1,16, Hebr. 1,2). Er ist es, der im Anfang die Erde gegründet hat, die Himmel sind Werke Seiner Hände, sie werden untergehen, Er aber bleibt. Er ist Derselbe, und Seine Jahre werden nicht vergehen (Hebr. 1,10-12). «Durch ihn sind alle Dinge erschaffen worden, die in den Himmeln und die auf der Erde, die sichtbaren und die unsichtbaren, es seien Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Gewalten: Alle Dinge sind durch ihn und für ihn geschaffen. Und er ist vor allen, und alle Dinge bestehen zusammen durch ihn» (Kol. 1,16-17).
Er ist der Erste, nicht nur wegen Seiner Vorexistenz, sondern auch durch Seine Erhöhung zur Rechten Gottes. Gott «setzte ihn zu seiner Rechten in den himmlischen Örtern, über jedes Fürstentum und jede Gewalt und Kraft und Herrschaft und jeden Namen, der genannt wird, nicht allein in diesem Zeitalter, sondern auch in dem zukünftigen... Gott hat ihn... hoch erhoben und ihm einen Namen gegeben, der über jeden Namen ist, auf dass in dem Namen Jesu jedes Knie sich beuge, der Himmlischen und Irdischen und Unterirdischen, und jede Zunge bekenne, dass Jesus Christus Herr ist, zur Verherrlichung Gottes, des Vaters» (Eph. 1,20.21, Phil. 2,9-11).
Sein Vorrang tritt auch gegenüber der Versammlung in Erscheinung, denn Gott hat «ihn als Haupt über alles der Versammlung gegeben, welche sein Leib ist» (Eph. 1,22). So ist es auch im Blick auf die Engel: «Und wiederum, wenn er den Erstgeborenen in den Erdkreis einführt, spricht er: Und alle Engel Gottes sollen ihn anbeten» (Hebr. 1,6). Schliesslich ist Er gegenüber den Mächtigen dieser Welt der König der Könige und der Herr der Herren (Offb. 19,16). Gott hat Ihm somit eine weltumfassende Oberhoheit verliehen, «auf dass er in allen Dingen den Vorrang habe» (Kol. 1,18).
Aber Er ist auch das Omega, der Letzte. Als solcher wird Christus Seine allumfassende Oberhoheit auf immerdar aufrecht halten, denn «seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft, die nicht vergehen und sein Königtum ein solches, das nie zerstört werden wird» (Dan. 7,14.27). Auch nachdem Er das Reich dem Gott und Vater übergeben haben wird (1.Kor. 15,24.28), wird Er nie aufhören, «Gott, gepriesen in Ewigkeit» zu sein (Röm. 9,5) und von Ewigkeit zu Ewigkeit in der Herrlichkeit der Gottheit zu bleiben. Hat Er nicht selber verkündigt: «Ich bin das Omega, der Letzte, das Ende?» Wenn Hiob, gestützt auf eine teilweise Offenbarung sagen konnte: «Ich, ich weiss, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er auf der Erde stehen» (19,25), so wissen wir darüber hinaus, dass unser Erlöser sich auf immerdar auf den Thron der Majestät in den Himmeln gesetzt hat. Durch Glauben betrachten wir Ihn dort, in der Erwartung, Ihn bald von Angesicht zu Angesicht zu sehen und Ihm unsere Anbetung darzubringen, mit welcher sich das triumphierende Halleluja aller Kreatur verbinden wird, zur Ehre des Vaters und des Sohnes. «Dem, der auf dem Throne sitzt, und dem Lamme, die Segnung und die Ehre und die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit!» (Offb. 5,13).
Kurz vor dem Abschluss des Heiligen Buches verkündet der Herr Jesus das nahe Bevorstehen Seiner Wiederkunft und stellt sich einerseits als die Wurzel und das Geschlecht Davids und anderseits als der glänzende Morgenstern vor. In der Tat, diese beiden Sinnbilder sind mit Seinem Kommen verknüpft: Das erste bringt die Hoffnung Israels und der Nationen zum Ausdruck und bezieht sich auf das Reich Christi auf der Erde, während das zweite auf die Hoffnung der Kirche Bezug hat und auf die himmlische Herrlichkeit hinweist.
Betrachten wir Christum zunächst in Seinen königlichen Vorrechten! Der Ausdruck Wurzel deutet auf Christum hin, auf den Ursprung, die Quelle der irdischen Verheissungen, und als das Geschlecht Davids ist Er der Erbe dieser Verheissungen. Doch ist es nicht richtig, so scheint es uns, den ersten Begriff nur auf das Königtum Christi über die Nationen anzuwenden, den zweiten dagegen nur auf Israel. Wie aus Jesaja 11 hervorgeht, wird Christus für Israel «ein Reis aus dem Stumpfe Isais» (V. 1) und für die Nationen ein «Wurzelspross Isais» sein (V. 10). Für alle ist Er dann der «wahre Sohn Davids», hervorgegangen aus dem Stumpfe Isais, der «König über die ganze Erde» (Sach. 14,9).
Durch den Mund des Propheten Nathan hatte Gott zu David gesagt: «Dein Haus und dein Königtum sollen vor dir beständig sein auf ewig, dein Thron soll fest sein auf ewig» (2.Sam. 7,16). David hat hinsichtlich dieser Verheissung keinerlei Zweifel geäussert. Im Gegenteil, er hat sie mit voller Gewissheit des Glaubens ergriffen und Gott dafür gepriesen: «Und nun Herr, Jehova, du bist es, der da Gott ist, und deine Worte sind Wahrheit, und du hast dieses Gute zu deinem Knechte geredet. So lass es dir nun gefallen, und segne das Haus deines Knechtes, dass es ewiglich vor dir sei, denn du, Herr, Jehova, hast geredet, und so werde mit deinem Segen das Haus deines Knechtes gesegnet ewiglich!» (V. 28.29).
Die Nachkommen Davids, die - mit einigen Ausnahmen - Jehova verlassen hatten, wurden vom Königtum abgesetzt. Aus diesem Grunde werden die göttlichen Verheissungen in Christo allein ihre Erfüllung finden. Er wird gleichzeitig der wahre Sohn Davids sein, der, nachdem Er Seine Feinde vernichtet hat, Seine Herrschaft aufrichten wird, als auch der wahre Salomo, der die Gerechtigkeit und den Frieden einführen wird, nicht nur über Israel, sondern auch über die ganze Erde. Er ist der, «welcher den Schlüssel des David hat» (Offb. 3,7), und als solchem gehört Ihm der Thron Davids. Der Engel Gabriel hat dies Maria gegenüber ausdrücklich erklärt: «Der Herr, Gott, wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird über das Haus Jakobs herrschen ewiglich, und seines Reiches wird kein Ende sein» (Luk. 1,32.33).
«Aus dem Samen Davids gekommen, dem Fleische nach» (Röm. 1,3), wird Christus als der aus den Toten auferstandene Sohn des Menschen diese königliche Herrlichkeit besitzen. Als Pilatus Ihn über Seinen Anspruch auf das Königtum befragte, antwortete ihm der Herr Jesus: «Ich bin dazu geboren», obwohl der Augenblick der Aufrichtung Seines Reiches auf dieser Erde noch nicht gekommen war. «Jetzt aber ist mein Reich nicht von hier» (Joh. 18,36.37). Gott zwang den heidnischen Landpfleger, das Königtum Christi durch die dreisprachige Überschrift, die er am Kreuze befestigen liess, öffentlich bekannt zu machen: «Jesus, der Nazaräer, der König der Juden.» Und angesichts des Protestes der Obersten des Volkes, die geschrieen hatten: «Wir wollen nicht, dass dieser über uns herrsche» und von Pilatus verlangten, er solle den Text der Überschrift abändern, entgegnete ihnen dieser: «Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben.» Trotz des Hasses der Juden und der Schlaffheit des Landpflegers hielt Gott in diesem feierlichen Augenblick die königlichen Ansprüche des wahren Jedidjah (2.Sam. 12,25) aufrecht. Sein Recht war bei Jehova und Sein Lohn bei Seinem Gott (Jes. 49,4).
Jetzt ist Er hoch erhoben und Ihm ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden (Phil. 2,9, Matth. 28,18). Bald wird Ihn Gott auf Zion, Seinem heiligen Berge, zum König salben (Ps. 2,6). Das Königtum wurde Ihm verweigert, als Er in das Seinige kam, doch hält Er den Schlüssel nicht weniger fest und keine Macht wird ihn aus Seiner Hand zu rauben vermögen. Jede Zunge wird bekennen, dass Er Herr ist, zur Verherrlichung Gottes des Vaters. Wie wir schon sagten, wird Er nicht nur das Königtum über das Haus Jakob empfangen, sondern Gott wird Ihm das Königtum über die ganze Erde verleihen. «Fordere von mir, und ich will dir zum Erbteil geben die Nationen, und zum Besitztum die Enden der Erde. Mit eisernem Zepter wirst du sie zerschmettern, wie ein Töpfergefäss sie zerschmeissen» (Ps. 2,8.9). «Und es wird geschehen an jenem Tage: der Wurzelspross Isais, welcher dasteht als Panier der Völker, nach ihm werden die Nationen fragen, und seine Ruhestätte wird Herrlichkeit sein» (Jes. 11,10). Bald werden in dem Himmel laute Stimmen geschehen, welche sprechen: «Das Reich der Welt unseres Herrn und seines Christus ist gekommen, und er wird herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit» (Offb.11,15, vgl. auch 12,10).
Der Herr Jesus verheisst nun dem, der überwindet, die Ehre, mit Ihm die Herrschaft Seines Reiches zu teilen. In der Tat, wir lesen in Offenbarung 2,26-28: «Wer überwindet und meine Worte bewahrt bis ans Ende, dem werde ich Gewalt über die Nationen geben, und er wird sie weiden mit eiserner Rute, wie Töpfergefässe zerschmettert werden, wie auch ich von meinem Vater empfangen habe.» Aber Er wird ihnen, wie wir dem folgenden Kapitel entnehmen können, noch ein unendlich erhabeneres Teil geben, als die Herrschaft über die Erde und die Nationen: Er gibt ihnen auch «den Morgenstern», das heisst sich selbst. Eingeführt in die heilige Stadt, werden sie an dem Baume des Lebens teilhaben, sie werden das Angesicht ihres Herrn sehen, Sein Name wird an ihren Stirnen sein und sie werden mit Ihm herrschen in die Zeitalter der Zeitalter.
Für uns, die wir mit Christo auferstanden sind, aus Seinem Leben leben und eins sind mit Ihm, ist Er unsere Hoffnung (1.Tim. 1,1). Er ist es, Den wir erwarten, Ihn, den glänzenden Morgenstern.
Dieser Titel, den der Herr annimmt bringt in uns die heiligen Zuneigungen für Seine Person in Schwingung und belebt unseren Wunsch, Ihn bald zu sehen. Die Erscheinung des Morgensterns erinnert uns tatsächlich an die unmittelbare Nähe Seiner Wiederkehr. Aber es ist noch Nacht. Der Morgenstern kündet das Morgengrauen an, das der Erscheinung des Tages unmittelbar vorausgeht. Christus ist schon jetzt, während der Nacht Seiner Abwesenheit, unser Teil, als die Hoffnung unserer Herzen, mit der Gewissheit, dass diese Nacht bald enden wird. Darum richten sich unsere Blicke auf den glänzenden Morgenstern, auf den kommenden Christus, der verherrlicht ist. Diese Betrachtung vermehrt in uns den Wunsch, Ihn von Angesicht zu Angesicht zu schauen, unsere Herzen verspüren ein zunehmendes Heimweh nach dem Himmel und rufen mit dem Geist und der Braut: Komm, Herr Jesu!
Der Heilige Geist bringt diesen Wunsch in uns hervor, indem Er uns das Bewusstsein unserer Verbindung mit dem Herrn und Seiner Liebe für uns gibt: «Ich bin meines Geliebten, und mein Geliebter ist mein... Ich bin meines Geliebten, und nach mir ist sein Verlangen», sagt Sulamith. Ihr Herz, gedrängt von der Liebe zu ihrem Geliebten, lässt sie Ihm sogleich zurufen: «Komm, mein Geliebter» (Hohel. 6,3,7,10.11). Die Braut ist der Gegenstand der Liebe Christi, und Christus ist der Gegenstand der Zuneigung der Braut. Sobald Er daher sagt: «Ich bin der glänzende Morgenstern», antwortet sie Ihm mit dem Geiste: «Komm!» Die Verheissung Seiner Wiederkehr ist für den Herrn ebenso kostbar wie für uns selbst: Die Freude der Begegnung ist für den Bräutigam ebenso gross wie für die Braut, die Ihn erwartet. Der glänzende Morgenstern ist für den Überwinder. «Ich werde ihm den Morgenstern geben» (Offb. 2,28). Dies wird dann nicht mehr nur die Hoffnung auf die Wiederkunft des Herrn sein, Seine Person selbst ist es, Den wir in der himmlischen Herrlichkeit besitzen werden. Durch den Glauben ist der Morgenstern schon in unseren Herzen aufgegangen (2.Petr. 1,19). Wir erkennen Ihn als den Kommenden, und dieses Wissen erfüllt unsere Seelen mit Freude. Dazu aber müssen wir wachsam sein und unsere Blicke zum Himmel richten. Nur wer wacht und nach oben blickt, entdeckt den Morgenstern und kann Seinen Glanz und Seine Schönheit betrachten. «Die Nacht ist weit vorgerückt, und der Tag ist nahe» (Röm. 13,12). Wir sehen unseren Geliebten noch nicht, aber wir wissen, dass Er erscheinen wird. Diese Gewissheit befestigt unseren Glauben, erfreut unser Herz und macht uns «überreich in der Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes» (Röm. 15,13). Ist dies bei uns Wirklichkeit, wird unser tägliches Leben der lebendige und strahlende Ausdruck davon sein. Es gibt kein besseres Mittel gegen den Einfluss des Bösen und gegen geistlichen Schlaf, als die dauernde Erwartung des Herrn. «Und jeder, der diese Hoffnung zu Ihm hat, reinigt sich selbst, gleich wie er rein ist» (1.Joh. 3,3).
Möge die Aussicht auf Sein baldiges Kommen uns in den Prüfungen trösten, unseren Glauben und unseren Eifer für Ihn anfachen, so dass wir bereit sind, Ihn zu empfangen, wenn Er kommt!
Ja, wir ziehen dir entgegen,
Nur bei Jesu, dir, ist volle Ruh.
Stets erquickt durch Himmelssegen,
Wallen wir der Heimat fröhlich zu.
Und den guten Kampf in deinem Namen
Kämpfend, rufen wir mit Sehnsucht: «Komm!»
«Ja, ich komme bald!» so sagst du. «Amen!»
O welch starker Trost! - «Herr Jesu, komm!»
Wir haben nun einige Wesenszüge der Person Christi betrachtet, der in der Schrift sich selbst als der göttliche «Ich bin» kundmacht. Er ist die Quelle lebendigen Wassers, an der unsere Seelen sich Tag für Tag zu laben so nötig haben. Möchten wir doch fortwährend nach Ihm dürsten und wünschen, Ihn immer besser kennen zu lernen! Als Abschluss dieses Gegenstandes möchten wir die Worte zweier unserer alten Führer zitieren:
«Die Person des Herrn Jesus wird unseren Seelen immer Nahrung zuführen, wenn wir Ihn besser zu erkennen suchen. Wir werden dadurch demütiger, zu gleicher Zeit aber auch durch den Gedanken gestärkt, dass Er alles, was Er ist, für uns ist. Unsere Herzen finden unsere Wonne an Ihm, als an Dem, der uns persönlich angehört, und gleichzeitig ist Er der Gegenstand unserer Verehrung und unserer Anbetung. Was wir bedürfen ist dies: zu wachen, dass unsere mit Christo beschäftigten Seelen Ihm gleichförmig werden. Dazu ist es nötig, dass allezeit Er selbst der Gegenstand unserer Herzen sei» (J. N. D.). «Wir können unseren eigenen Zustand nach dem Durst beurteilen, den wir nach Christo haben. Wir besitzen den Heiligen Geist, und sobald wir uns mit der Quelle in Verbindung setzen, strömt die Segnung auf uns herab. Das ist alles. Das ist das Geheimnis des christlichen Lebens... Unser Durst soll Durst nach Christo sein, nach Christo selbst» (H. R.).
Die Ermahnung, die Barnabas an die Gläubigen in Antiochien richtete, ist immer noch gültig, heute mehr denn je: «Er ermahnte sie, mit Herzensentschluss bei dem Herrn zu verharren» (Apg. 11,23). Lasst uns denn Christo anhangen, wie die Rebe am Weinstock, damit wir zur Freude Seines Herzens und zur Ehre Seines Namens viel Frucht tragen!